5. Mai 2025 / Aus der Welt

100 Jahre Deutsches Museum - Hommage an die Technik

Mit einem vielseitigen Festakt feiert das Deutsche Museum sein 100-jähriges Bestehen: Es gibt mahnende Worte des Staatsoberhaupts - genauso wie einen kabarettistischen Auftritt der «Mama Bavaria».

Das Deutsche Museum feiert 100-jähriges Bestehen.
Veröffentlicht am 5. Mai 2025 um 15:21 Uhr

Der Gründer Oskar von Miller selbst tritt auf: Der «Vater» des Deutschen Museums wünscht sich als virtueller Gast beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen, dass «die Menschen so hereinströmen» wie an den Buden auf dem Oktoberfest. Und trinken möchte er zum Jubiläum natürlich: Bier. Er hatte das Haus als Wissensstätte für alle konzipiert.

Wissenschaft und Technik für eine bessere Zukunft: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob in seiner Rede die Bedeutung von Fortschritt für Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Gerechtigkeit hervor. Wenn technologische Innovationen in der Demokratie verantwortungsvoll gefördert und genutzt würden, könne man einen wichtigen Beitrag leisten, um Menschen in den ärmeren Ländern wie auch künftigen Generationen ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Wohlstand ermöglichen, so der Präsident.

Die Ausstellungen machten bewusst, welche Möglichkeiten es gebe, um eine gute, eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. Mitten in einer Zeit von Skepsis und Zweifeln vermittele das Deutsche Museum Zuversicht – «und diese Zuversicht braucht unser Land jetzt mehr denn je», sagte Steinmeier beim Festakt im Museum, das in Teilen derzeit noch saniert wird.

Jugend mit weniger Zuversicht

Diese Zuversicht teilten einige junge Gäste nicht, die in einem Wettbewerb für den Auftritt auf der Bühne ausgewählt worden waren und ihre gemalte Zukunftsversion vorstellten. Eine Zwölfjährige präsentierte ein gemaltes Auge - weil man besser nicht in die Zukunft schaue. Eine 15-Jährige zeigte ein in 100 Jahren völlig überwuchertes Deutsches Museum - ohne Menschen.

Bei der mit Witz gestalteten Jubiläumsfeier trat auch die Kabarettistin Luise Kinseher auf, die als Mama Bavaria der Politik früher auf dem Nockherberg die Leviten las. Sie hoffe, dass sie nicht Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verschreckt habe, der wegen der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags per Videobotschaft teilnahm. Aber wie man höre, habe er es hinbekommen, dass die bayerische Raumstation in drei Jahren fertig sein solle, zehn Jahre vor der zweiten Stammstrecke in München.

100 Jahre Wissen zum Anfassen 

Am 7. Mai 1925 hat das Deutsche Museum als eines der größten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt auf der Isar-Insel eröffnet. Die Stadt feierte tagelang. Das wiederholt das Museum nun: Am Wochenende gibt es ein großes Jubiläumsprogramm bei freiem Eintritt für alle.

Generaldirektor Wolfgang Heckl sagte, das Haus sei stets ein Museum für alle gewesen. Hier sei Technik direkt und auch haptisch zu erfahren. Damit sei das Museum auch heute digitalen Darstellungen überlegen, in denen Wahrheit und Fake immer öfter schwer zu unterscheiden seien.

Söder sagte, die Welt könne besser werden durch neue technologische Möglichkeiten. Das Museum habe sich immer mit der Zukunft befasst und stehe für Technologiebegeisterung, die «in Bayern ihren Ursprung» habe und Deutschland stark mache. 

Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) sagte, man verlasse dieses Museum stets mit neuen Erkenntnissen. Es sorge mit dafür, dass technischer Fortschritt in der Gesellschaft die nötige Akzeptanz finde.

Laut Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wurde von Millers «Kathedrale für Erfinder» Vorbild für Museumsgründungen weltweit. Es stehe für das Renommee Münchens als Welt- und Kulturstadt und sei auch ein wichtiger Standortfaktor.

Gesellschaftlicher Dialog über Nutzung von Technologien

Steinmeier unterstrich, es brauche mehr naturwissenschaftlich-technische Bildung. Nötig sei dabei auch «eine breite öffentliche Debatte darüber, wie wir die Chancen von neuen Technologien nutzen und ihre Risiken einhegen wollen» - ob es um die Energie- oder die Mobilitätswende gehe, um Biowissenschaften oder Medizintechnik, um Raumfahrt- oder Militärtechnik, um Künstliche Intelligenz oder die digitalen Plattformen.

Warnung vor politischer Einflussnahme auf die Wissenschaft

Der Bundespräsident äußerte sich besorgt über Nachrichten von US-Universitäten, aus denen von politischen Restriktionen gegenüber der Wissenschaft berichtet werde. «Das darf nicht sein.» Das könne auch zum Schaden für die Amerikaner und für die Wissenschaft weltweit werden.

Steinmeier erinnerte auch an die Vereinnahmung des Deutschen Museums durch die Nazis und an den jüdischen Mitbegründer Arthur Schönberg. Er habe als engster Mitarbeiter von Millers das Museum maßgeblich geprägt, bevor er verfolgt, verschleppt und ermordet wurde. «Auch ihm gilt heute unser Respekt und unser Dank», sagte Steinmeier unter dem Applaus der Gäste.


Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
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