Nach dem Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen den früheren Rap-Superstar Sean «Diddy» Combs wird am Freitag die Verteidigung ihre letzten Worte an die Geschworenen richten. Rund sechs Wochen lang sagten im Prozess mehr als 30 Zeugen und Zeuginnen zu verstörenden Sex-Details und grausamer Gewalt aus - und das alles im grellen Scheinwerferlicht der Weltpresse. Die Staatsanwaltschaft warf Combs am Donnerstag die Leitung eines «kriminellen Unternehmens» vor. «In den vergangenen Wochen habt ihr viel über Sean "Diddy" Combs gelernt», sagte die stellvertretende Staatsanwältin Christy Slavik der Jury vor Gericht in New York, wie US-Medien übereinstimmend berichteten. «Er ist der Anführer eines kriminellen Unternehmens. Er akzeptiert keinen Widerspruch, und jetzt kennt ihr die vielen Verbrechen, die der Angeklagte mit Mitgliedern seines Unternehmens begangen hat», so Slavik weiter. Combs «nutzte Macht, Gewalt und Angst, um zu bekommen, was er wollte.» Nach Abschluss der Schlussplädoyers - möglicherweise am Montag - ziehen sich die zwölf Geschworenen zu Beratungen über das Urteil zurück. Sie haben dafür so viel Zeit, wie sie brauchen - bis zu einem Urteil könnte es also wenige Stunden, oder aber auch viele Tage dauern. Die anklagende Staatsanwaltschaft präsentierte in dem Verfahren mehr als 30 Zeugen und Zeuginnen, darunter frühere Partnerinnen und Mitarbeiter des Rappers. Ex-Freundin und Schlüsselzeugin Cassie Ventura beispielsweise schilderte, wie Combs sie zu Sex mit fremden Männern gezwungen habe. Sie berichtete auch von Drogen und körperlicher Gewalt. Auch weitere Frauen warfen dem Rapper jahrelangen sexuellen Missbrauch und Gewalt vor. Zahlreiche andere Zeugen beschrieben detailliert, wie sie Combs dabei halfen, Sex-Veranstaltungen in Hotels zu organisieren. Die Verteidigung wiederum präsentierte keinen einzigen Zeugen. Combs selbst, der sämtliche Anschuldigungen bestreitet und auf nicht schuldig plädiert, sagte auch nicht selbst aus. Combs ist unter anderem wegen Sexhandels und organisierter Kriminalität angeklagt. Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft dem Rapper vor, über Jahre hinweg Frauen missbraucht, bedroht und genötigt zu haben, seine sexuellen Wünsche zu erfüllen. Er habe ein «kriminelles Unternehmen» mit Helfern geführt. Bei einer Verurteilung droht Combs - der in der Vergangenheit unter anderem die Pseudonyme «Puff Daddy», «P. Diddy» und «Diddy» benutzte - eine lebenslange Haftstrafe. Über die Einzelheiten des Urteils muss die Jury entscheiden - dabei ist es auch möglich, dass Combs nur teilweise schuldig gesprochen wird. Die Verteidigung rief auch deshalb keine eigenen Zeugen oder Zeuginnen auf, weil sie argumentierten, dass in den bereits erfolgten Zeugenaussagen ihr Narrativ deutlich zum Vorschein gekommen sei: Combs behandelte viele Menschen, vor allem seine Ex-Freundinnen, teils furchtbar, führte toxische Beziehungen - diese seien aber einvernehmlich gewesen. Eine Ex-Freundin berichtete beispielsweise, dass sie trotz allem immer Zuneigung für Combs gehabt habe. Die Anklage argumentiert dagegen, dass Combs' Verhalten die Schwelle zur Straftat überschritten habe. Sie wirft ihm sogar organisierte Kriminalität vor, ein Anklagepunkt, der ursprünglich für Bandenkriminalität wie jene der Mafia geschaffen wurde. Dieser Vorwurf wurde schon bei dem Prozess gegen Sänger R. Kelly erfolgreich eingesetzt, um eine systematische Struktur von sexuellem Missbrauch offenzulegen.Anklage: Combs «Anführer eines kriminellen Unternehmens»
Was bisher geschah
Wie ein Urteil aussehen könnte
Anklage und Verteidigung - zwei Narrative
Bildnachweis: © Elizabeth Williams/AP/dpa
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Anklage: Combs «nutzte Macht, Gewalt und Angst»
Der New Yorker Prozess gegen Sean «Diddy» Combs um Anschuldigungen schwerer Sexualstraftaten steht vor dem Ende. Nach der Anklage wird die Verteidigung am Freitag ihr Schlussplädoyer halten.
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