15. Januar 2026 / Aus der Welt

Surfen? Selbstverständlich: Drei von vier Älteren online

Vor fünf Jahren war nur knapp die Hälfte der Senioren und Seniorinnen im Internet unterwegs. Da hat sich viel getan. Einen Wunsch äußern allerdings in einer Bitkom-Umfrage fast alle über 65 Jahre.

Laptop und Smartphone sind auch für viele Ältere selbstverständlich. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 15. Januar 2026 um 13:25 Uhr

Das Internet ist auch für die Generation Lesebrille nicht mehr Neuland, sondern Alltag: 74 Prozent der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland sind Online, im Vergleich zu 48 Prozent vor noch fünf Jahren. Dies geht aus einer Umfrage unter gut 1.000 Seniorinnen und Senioren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervor. 

«Damit kann man eigentlich sagen, dass auch unsere ältere Bevölkerung in der digitalen Welt angekommen ist», sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst in Berlin. Allerdings wünschen sich fast alle Befragten - 96 Prozent - mehr Unterstützung, um beim schnellen technologischen Fortschritt nicht abgehängt zu werden. 91 Prozent sehen dabei auch den Staat in der Pflicht.

«Digitale Engel» helfen

Seniorenministerin Karin Prien (CDU) sagte neue Hilfsangebote zu: «Digitale Teilhabe ist keine Frage des Alters, das ist das politische Ziel.» Wichtig sind aus ihrer Sicht verlässliche Zugänge auch auf dem Land sowie verständliche Begleitung. Einiges gibt es nach ihren Worten aber schon, so etwa eine Telefonnummer für Hilfen, wenn der Drucker ausfällt oder ein Programm nicht funktioniert, oder «digitale Engel», die mobil Rat geben.

Die meisten jüngeren Rentnerinnen und Rentner nehmen ihre Kompetenzen zur Internetnutzung aus der Berufstätigkeit mit, wie die Ministerin sagte. Nach den Bitkom-Zahlen sind zwischen 65 und 69 Jahre auch fast alle online: 98 Prozent. Mit steigendem Alter wird der Anteil kleiner. «Man sieht so eine Kante so bei 74, da geht es deutlich runter», sagte Wintergerst. Im Alter 80 plus nutzt aber immerhin noch jeder und jede Zweite das Internet, wie die Umfrage zeigt. Wintergerst nannte das eine «phänomenal hohe Zahl».

In Kontakt bleiben

«Chancen der Digitalisierung sind groß, in allen Altersstufen, aber eben auch im Alter, etwa wenn es darum geht, Lebensqualität zu steigern, aber auch mit Einsamkeit umzugehen», sagte Ministerin Prien. «Das macht was aus, ob ich zum Beispiel mit meiner Familie, mit meinen Kindern, mit meinen Enkeln über das Internet wöchentlich kommunizieren kann, wenn man sich schon nicht ständig sieht.»

Etwa neun von zehn älteren Internetnutzerinnen und -nutzern ab 65 Jahren verwenden das Internet laut Umfrage unter anderem für E-Mails und Textnachrichten, 60 Prozent sind in sozialen Netzwerken und 50 Prozent machen Videoanrufe. Informationen über persönliche Interessen suchen demnach 88 Prozent, für 81 Prozent ist das Internet Nachrichtenquelle. 80 Prozent wickeln ihre Bankgeschäfte online ab, 76 Prozent kaufen über das Internet ein, wie es weiter heißt.

Zweifel an eigenen Kenntnissen

Allerdings sind sich Menschen im zunehmenden Alter der eigenen Online-Kompetenz nicht sicher. Im Schnitt geben sich laut Umfrage die Menschen ab 65 dafür die Note 3,2 - im Vergleich zu 2,8 bei den Generationen unter 65. Oft helfen der Bitkom-Umfrage zufolge Angehörige oder Freunde: 54 Prozent der Befragten holen sich dort Rat. 

Zwei von drei Befragten wünschen sich kostenlose oder günstige Schulungen, um technisch am Ball zu bleiben. «Insgesamt ist die Neugier da, sich auch noch weiter zu bilden», sagte Wintergerst. Jeder Zweite habe auch schon mal KI ausprobiert, etwa den Bot ChatGPT.

Ängste und Bedenken bei Nichtnutzern

Von den 26 Prozent in der Generation 65 plus, die das Internet nicht nutzen, sagten in der Umfrage 47 Prozent, sie kennen sich nicht aus. 15 Prozent haben niemanden, der ihnen helfen könnte. 40 Prozent haben Bedenken, dass ihre Daten nicht sicher sind. Immerhin 8 Prozent sagten, sie hätten Sorge vor gesundheitlichen Folgen durch Internetnutzung.

Nach Verbandsangaben hat das Institut Bitkom Research im September und Oktober 2025 insgesamt 1.004 Menschen ab 65 Jahren für die Studie befragt, die für Deutschland repräsentativ sei.


Bildnachweis: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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