31. Mai 2026 / Aus der Welt

Bildungsexperten für Social Media-Verbot an Grundschulen

Soll der Social-Media-Zugang für Kinder und Jugendliche eng reguliert werden? Bildungsexperten raten zu einem Verbot sozialer Medien für Grundschüler - und werben für ein neues Bildungsziel.

Für Grundschulkinder sehen Wissenschaftler erhebliche Risiken bei der Nutzung sozialer Medien. (Archivbild)
Veröffentlicht am 31. Mai 2026 um 05:30 Uhr

In der Debatte um eine Regulierung des Zugangs für Kinder und Jugendliche zu sozialen Medien haben Experten des Aktionsrats Bildung ein Social-Media-Verbot in Grundschulen gefordert. «Die Gefahren und unerwünschten Nebenwirkungen von Social Media überlagern nach unserer Einschätzung mögliche positive Aspekte im Grundschulalter», sagte Bildungswissenschaftlerin Nele McElvany von der Uni Dortmund der dpa. 

«Deshalb plädieren wir für einen Ausschluss von Social Media aus Grundschulen, wenn es sich nicht um klar umrissene besondere pädagogische Ziele handelt, die doch einen Einbezug erfordern.» 

Erhebliche Risiken bis hin zu Sucht und Mobbing-Erfahrung

Die Nutzung von Smartphones, Social Media und Social Gaming steige bereits im Grundschulalter deutlich an, stellt ein Gutachten des Aktionsrats fest. Grundschulkinder seien mit Informationen konfrontiert, die nicht mehr über Erwachsene gefiltert, sondern durch Algorithmen gesteuert würden, schildert das Gremium renommierter Bildungsforschender. Kindgerechte und sichere Angebote gebe es hingegen nur begrenzt. 

Aufmerksamkeitsstörungen, exzessives Nutzungsverhalten bis hin zu Sucht sowie Cybermobbing betreffen demnach auch schon Grundschulkinder. «Pädagogisches Ziel für Grundschulen muss sein, die Entwicklung der Voraussetzungen für einen souveränen Umgang mit Social Media durch die Grundschulkinder zu fördern», betont McElvany. Dazu gehöre auch etwa die Fähigkeit der Selbstregulation.

Neues Bildungsziel «mediale Integrität» 

Das Expertengremium schlägt das neue Bildungsziel «mediale Integrität» vor, damit Kinder früh angeleitet werden, sich sicher und verantwortungsvoll im digitalen Raum zu bewegen. Es solle für alle Altersstufen eingeführt und gezielt in den Fachunterricht integriert werden, erläutert die Direktorin des Instituts für Schulentwicklungsforschung in Dortmund. 

Der Schutz von Kindern im digitalen Raum sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betont McElvany, Mitautorin des Gutachtens. Eltern sollten von den Grundschulen Beratung und Hilfestellungen bekommen - Infos über Risiken und Potenziale der sozialen Medien, konkrete Nutzungsempfehlungen und Hinweise auf Ansprechpersonen in der Schule. 

Auf Bundesebene brauche es einen verbindlichen Rechtsrahmen zur stärkeren Regulierung von Social Media. Das nehme dann auch Anbieter in die Pflicht, etwa mit Blick auf eine wirksame Altersüberprüfung bei Einrichtung eines Nutzerkontos. Manipulative und suchtfördernde Elemente sowie Werbung in Social Media und Social Games, die auf Kinder abzielen, sollten untersagt werden. 

Was das NRW-Schulministerium zum Thema sagt

«Gerade mit Blick auf Grundschulkinder ist aus Sicht des Schulministeriums Zurückhaltung bei der Nutzung von Smartphones und sozialen Medien geboten», sagt ein Sprecher in Düsseldorf. Alle Schulen hätten die Handy-Nutzung seit 2025 geregelt, das Schulministerium habe dafür klare Leitlinien vorgegeben. «Für Grundschulen gilt dabei die klare Empfehlung, die private Nutzung von Smartphones und Smartwatches grundsätzlich zu untersagen.»

Unabhängig davon bleibe die Vermittlung von Medienkompetenz eine zentrale Aufgabe von Schule. Kinder und Jugendliche müssten lernen, digitale Medien sicher, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Medienbildung ist dem Sprecher zufolge im NRW-Schulgesetz verankert.


Bildnachweis: © Bernd Weißbrod/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Polizei schießt am Frankfurter Hauptbahnhof auf Mann
Aus der Welt

Passanten hören Schüsse, ein Mann liegt verletzt am Boden. Am Abend teilt das Landeskriminalamt Hessen mit: Der Angeschossene hatte zuvor einen Polizisten mit einem spitzen Gegenstand verletzt.

weiterlesen...
Jugendlicher stellt sich nach Schuss auf Polizisten
Aus der Welt

Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien wird in Göttingen ein Polizist schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter ist zunächst auf der Flucht - dann aber stellt er sich.

weiterlesen...
Hitzealarm im Westen – Wetterdienst ruft zur Vorsicht auf
Aus der Welt

Am Donnerstag war es bereits heiß, der Freitag legt noch eine Schippe drauf. Wo es wie warm wird - und für wen das besonders kritisch ist.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Drama auf Baustelle in Brüssel - Fünf Tote in Aufzug
Aus der Welt

Ein Gebäude in der Innenstadt Brüssels wird umgebaut, Hunderte Arbeiter sind vor Ort. Dann bricht ein Feuer aus. Mehrere Menschen sterben.

weiterlesen...
Artemis-Crew dankt europäischen Ingenieuren
Aus der Welt

Im April begeisterte die «Artemis 2»-Crew die Welt. Die vier Astronauten machen einen Stopp in Deutschland und bedanken sich - ohne europäische Technik hätte der Flug um den Mond nicht stattgefunden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Drama auf Baustelle in Brüssel - Fünf Tote in Aufzug
Aus der Welt

Ein Gebäude in der Innenstadt Brüssels wird umgebaut, Hunderte Arbeiter sind vor Ort. Dann bricht ein Feuer aus. Mehrere Menschen sterben.

weiterlesen...
Artemis-Crew dankt europäischen Ingenieuren
Aus der Welt

Im April begeisterte die «Artemis 2»-Crew die Welt. Die vier Astronauten machen einen Stopp in Deutschland und bedanken sich - ohne europäische Technik hätte der Flug um den Mond nicht stattgefunden.

weiterlesen...