In einem unscheinbaren Industriegebäude eröffnet sich ein leuchtendes, klackerndes Universum: Auf rund 200 Quadratmetern reihen sich etwa 50 Flipperautomaten aneinander – von Klassikern wie dem «Wizard» über «Addams Family» bis zu modernen Titeln wie «Game of Thrones». Willkommen in der Flipperhalle Berlin, die sich in Teltow (Brandenburg) an der Grenze zu Berlin befindet. Flippern ist wieder angesagt. Bundesweit gibt es auch andere Flipperhallen, etwa Freddy's Pinball Paradise im hessischen Echzell (etwa 180 Flipperautomaten) oder das Deutsche Flippermuseum in Neuwied (Rheinland-Pfalz) mit 150 Exponaten von 1930 bis zur Gegenwart. Fast alle sind bespielbar. «Es ist ein exzessives Ausleben meines Hobbys», sagt der Inhaber der Flipperhalle Berlin, Jörg Meißner. Seine Sammlung macht er jedes Wochenende Besuchern zugänglich und frönt gleichzeitig seiner Leidenschaft. In der Halle stehen Flipper aus mehreren Jahrzehnten. Meißner teilt sie nach dem Klang in verschiedene Kategorien ein. «Der Glockenspielflipper aus den 70ern – wenn man trifft, erklingen Glöckchen», sagt Meißner. Und dann gibt es die auffälligen Geräte mit aufwendigen Soundsystemen wie den Harlem Globetrotters. «Angefangen zu flippern habe ich mit 15, aufgehört mit 16 – die Arbeit war wichtiger», erzählt der 59 Jahre alte Elektromeister. Doch die Faszination ließ ihn nie los. «2005 habe ich meinen ersten Flipper gekauft. Jedes Wochenende war ich damals in Westdeutschland und Holland und habe weitere Automaten geholt. Ich fand die einfach schön und wollte sie haben.» Schon ein Jahr später hatte er eigenen Worten zufolge 100 Geräte zusammengetragen. Als Elektromeister brachte Meißner das nötige Know-how mit – zumindest theoretisch. «Von Strom hatte ich Ahnung, aber von diesen Dingern hier keine. Ich habe mich reingefuchst.» Besonders faszinieren ihn alte elektromechanische Geräte: «Der Wizard zum Beispiel – der macht seinen Sound ganz ohne Lautsprecher, nur über Relais und Spulen.» Das sei faszinierend, dass das überhaupt immer noch funktioniere. «Das erste Patent für einen Flipperautomaten wurde 1871 in den USA angemeldet», erklärt Arne Hennes vom Flippermuseum in Schwerin. Spaß am Spiel mit Kugeln gibt es schon viel länger. «Bei Ausgrabungen in alten römischen Siedlungen hat man Steinplatten gefunden, auf denen mit Murmeln gespielt wurde», so Hennes. Als ein Vorläufer der Flipper-Automaten gilt das Spiel Bagatelle. Dabei wird eine Kugel über ein geneigtes Brett geschossen, um Punkte zu erzielen – ganz ohne Elektronik, aber mit viel Geschick. Der erste Automat mit den typischen Flipperarmen sei 1947 entwickelt worden, sagt Hennes. «Erst dadurch konnte man aktiv in das Spiel eingreifen und aus dem reinen Glücksspiel wurde ein Geschicklichkeitsspiel.» Seine Halle sei keine Spielhölle, betont Meißner: «Zu uns kommen Familien, wir feiern Kindergeburtstage. Unsere Gäste sind zwischen zwei und 90 Jahren alt – und es sind auch viele Frauen dabei». Jörg Lathwesen, Vorsitzender des Vereins deutscher Flipperfreunde, der German Pinball Association (GPA), lobt Meißners Engagement: «Ohne solche Angebote würden viele Geräte weiterhin bei privaten Sammlern stehen und der Öffentlichkeit nicht zugänglich sein». Gerade wegen der hohen Einstiegshürde in das Hobby sei es wichtig, dass Orte wie diese die Geräte zum Flippern anbieten. Automaten kosten Tausende Euro und benötigen Platz. «Gerade für Jugendliche und junge Heranwachsende ist dieses Angebot klasse, da das Flippern zum einen Reaktion, Geduld, Ruhe, Konzentration fordert, aber auch das Miteinander fördert», so Lathwesen. Seit Anfang der 70er Jahre gehörten Flipperautomaten zum Inventar fast jeder Kneipe in der Bundesrepublik. «In der DDR waren Flipperautomaten nur auf Jahrmärkten erlaubt», erzählt Hennes. Um die Jahrtausendwende waren Flipperautomaten fast ausgestorben. «Das Aufstellen lohnte sich finanziell nicht mehr», sagt Meißner. Auch Videospiele und Heimkonsolen drängten den Flipper vor rund 20 Jahren ins Abseits. Viele Hersteller verschwanden vom Markt. «2005 war der Flipper tot, da waren gerade mal 10.000 Leute auf der Weltrangliste, die Turniere gespielt haben. Jetzt sind wir bei 90.000», sagt Meißner. Flippern erlebt ein Revival. Das sei auch dem Retro-Trend zu verdanken, sagt Andreas Hennes. «Aufgrund der geringen Anzahl an Geräten in der Aufstellung ist das "schmuddelige Kneipenimage" schon seit Jahren abgelegt», meint Lathwesen. Die GPA hat rund 700 Mitglieder. Ziel des Vereins ist es, Flipper als Kulturgut, Sportgerät und Kunstobjekt zu fördern. Trotz Digitalisierung sieht Vereinsvorsitzender Lathwesen die Zukunft des Flipperns positiv: Die digitale Entwicklung bringe «neue Möglichkeiten, die Geräte interessanter zu gestalten», berichtet er mit Blick auf spektakuläre Lichteffekte oder das Zwischenspeichern von erreichten Ergebnissen.Schon Römer spielten mit Kugeln
Vom Kneipenklassiker zum Sammlerstück
Digitalisierung trifft auf Nostalgie
Bildnachweis: © Jens Kalaene/dpa
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Das Comeback der Flipper-Automaten
Lange galten Flipper als Relikte aus verrauchten Kneipen – heute erleben sie ein Comeback. In Teltow bei Berlin etwa hat Jörg Meißner einen Ort geschaffen, in der Technikgeschichte lebendig wird.
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