Das Standseilbahnunglück in Lissabon ist durch einen Schaden an der Verbindung des Seils mit dem Unfallwagen verursacht worden. Das geht aus dem ersten Bericht der Untersuchungskommission in Portugal hervor. Der Bremser des Fahrzeugs tat demnach alles, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Der Kampf ums Überleben scheiterte aber. Unaufhaltsam raste der Wagen am Mittwochabend bergab. Es prallte gegen Eisenmasten und krachte gegen ein Gebäude. Nach knapp 50 Sekunden war laut Bericht alles vorbei: 16 Menschen starben, 21 wurden zum Teil schwer verletzt. Das Seil habe sich schon kurz nach Fahrtbeginn um 18.03 Uhr von dem Wagen gelöst, steht im Bericht des Amtes für die Verhütung und Untersuchung von Flug- und Eisenbahnunfällen (GPIAAF). Bei der Untersuchung des Wracks sei festgestellt worden, dass das Kabel, das beide Wagen am unteren und oberen Ende der steilen Straße Calçada da Glória verbindet, am Befestigungspunkt im oberen Teil des Unglückswagens nachgegeben habe. Warum die Bremsen das Gefährt nicht stoppen konnten, blieb zunächst aber unklar. Es wird vermutet, dass das System mit Druckluftbremsen, die sich im Notfall automatisch aktivieren, entweder versagt oder aber nicht ausgereicht habe. Der erfahrene Bremser habe daher «sofort die Druckluftbremse und die Handbremse» gezogen. «Diese Maßnahmen hatten keinerlei Wirkung (...) und die Kabine beschleunigte weiter bergab», heißt es im GPIAAF-Bericht. Der Bremser, vergleichbar mit einem Fahrzeugführer, ist meistens der einzige Mitarbeiter an Bord und steuert beziehungsweise überwacht während der Fahrt die Bremsen der Kabine. Nach 170 Metern sei die Bahn an einer Kurve entgleist, mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde unter anderem gegen einen Straßenlaternen- sowie einen Leitungsmast aus Gusseisen geprallt, auf die Seite gestürzt und schließlich gegen ein Gebäude gekracht. «All diese Ereignisse spielten sich in einem Zeitraum von weniger als 50 Sekunden ab», hieß es. Von dem Gefährt blieben nur Trümmer übrig. Das verwendete Kabel bestehe aus sechs Strängen mit je 36 Stahldrähten und einem Faserkern mit einem Gesamtdurchmesser von 32 Millimetern. Die Bruchlast beträgt etwa 68 Tonnen. Der Kabeltyp werde in dieser Standseilbahn seit etwa sechs Jahren verwendet. Die veranschlagte Lebensdauer eines solchen Kabels liege bei 600 Tagen. Das zum Unfallzeitpunkt vorhandene Kabel sei erst seit 337 Tagen im Einsatz gewesen, ging aus dem GPIAAF-Bericht hervor. Wie es dazu kommen konnte, dass sich das Kabel von dem Wagen löste, müsse nun bei weiteren Untersuchungen geklärt werden. Einen ausführlicheren Bericht beabsichtigt die Behörde nach Angaben von Direktor Nelson Oliveira in etwa 45 Tagen vorzulegen, einen umfassenden Abschlussbericht in einem Jahr. Der «Elevador da Glória» ist eine der berühmtesten Touristen-Attraktionen Lissabons, aber auch Einheimische nutzen ihn täglich. Jährlich befördert die im 19. Jahrhundert in Deutschland gebaute Bahn rund drei Millionen Passagiere. Am Mittwoch aber verwandelte sie sich binnen Sekunden in eine Todesfalle. Außer den 16 Todesopfern des Unglücks wurden auch 21 Menschen zum Teil schwer verletzt. Ein zunächst totgeglaubter Deutscher wurde später von seinen Eltern schwer verletzt, aber lebend in einem Krankenhaus gefunden. Seine Frau wurde schwer, der gemeinsame kleine Sohn leicht verletzt. Bei den Todesopfern handelt es sich um fünf Portugiesen, darunter der Bremser, sowie um drei Briten, zwei Kanadier, zwei Südkoreaner und je ein Todesopfer aus der Schweiz, der Ukraine, Frankreich und den USA, wie die portugiesische Kriminalpolizei mitteilte. Einen solchen Unfall mit einer der drei Standseilbahnen hatte es in Lissabon bisher nicht gegeben.«Maßnahmen hatten keinerlei Wirkung»
Kabel sollte erst in knapp neun Monaten ausgetauscht werden
Weitere Untersuchungen notwendig
Elf Ausländer und der Bremser unter den Toten
Bildnachweis: © Armando Franca/AP/dpa
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Bericht zum Lissabon-Unglück: Kabel löste sich von Todesbahn
Beim Seilbahn-Unglück in Lissabon spielten sich im Inneren des Fahrzeugs dramatische Szenen ab. Die Behörden veröffentlichen einen ersten detailreichen Bericht. Aber viele Fragen bleiben offen.
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