1. Mai 2026 / Aus der Welt

Fünfter Toter nach Unglück in Lederfabrik in Hessen

Zwei Wochen nach dem Arbeitsunfall im hessischen Runkel hat auch das fünfte Opfer den Kampf ums Überleben verloren. Im Raum steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Was sagt Hessens Innenminister?

Nach dem Unglück in einer kleinen traditionsreichen Lederfabrik im hessischen Runkel ist nun auch das fünfte Opfer im Krankenhaus gestorben.
Veröffentlicht am 1. Mai 2026 um 15:55 Uhr

Nach dem Unglück in einer Lederfabrik im hessischen Runkel ist laut Staatsanwaltschaft und Polizei ein fünfter Mensch im Krankenhaus gestorben. Drei Beschäftigte des kleinen Betriebs waren bei dem Arbeitsunfall Mitte April tot in einer Grube der Fabrik gefunden worden, ein vierter starb Tage später ebenfalls in einer Klinik. 

«Damit sind alle fünf Beteiligten tot», sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem fünften Toten handelt es sich laut Staatsanwaltschaft und Polizei um einen 60-Jährigen, der am Donnerstag in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Der Mann gehörte nicht zur Belegschaft der Gerberei, sondern war Mitarbeiter einer Rohrreinigungsfirma im rheinland-pfälzischen Montabaur.

«Gemeinsam mit vielen anderen Menschen hatte ich in den letzten Tagen gehofft, gebangt und gebetet. Leider vergeblich. Jetzt steht das ganze Ausmaß der Tragödie fest», teilte Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) der Deutschen Presse-Agentur mit. Auch die Bürgermeisterin der Kleinstadt Runkel an der Lahn, Antje Hachmann (parteiunabhängig), sagte: «Irgendwie haben wir ja die Hoffnung gehabt, dass er es schafft.»

Unfall in der Grube

Rettungskräfte hatten am 16. April fünf Männer aus der Grube auf dem Gelände des Betriebs geholt. Drei von ihnen im Alter von 38, 58 und 59 Jahren starben noch vor Ort, die beiden anderen waren mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Einer von ihnen, ein 35 Jahre alter weiterer Mitarbeiter des Betriebs, starb vor gut einer Woche im Krankenhaus.

Die Staatsanwaltschaft Limburg und das Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden teilten mit: «Der genaue Unfallhergang ist weiterhin Teil der laufenden Ermittlungen.»

Ermittler prüfen Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Es steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum. Entsprechende Ermittlungen würden gegen Unbekannt geführt, hatte zuvor ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Limburg der dpa mitgeteilt. Fragen wie die, ob die Arbeiter beim Einstieg in die Grube Atemschutz und Schutzkleidung getragen hätten und ob und in welcher Form zu diesem Zeitpunkt Gasmessungen in der Grube durchgeführt worden seien, seien Gegenstand der Ermittlungen. 

Die Obduktionen bei den drei noch am Unfallort Verstorbenen hatten nach früheren Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei ergeben, dass eine Schwefelwasserstoff-Vergiftung «hauptursächlich» für den Tod gewesen sei. Es seien aber weitere Untersuchungen notwendig. Anfangs waren die Behörden noch von einer tödlichen Kohlenmonoxidvergiftung ausgegangen.

Äußerst giftiges Gas

Schwefelwasserstoff ist ein äußerst giftiges Gas mit einem Geruch wie von faulen Eiern. Bei höheren Konzentrationen setzt beim Menschen jedoch die Geruchswarnung aus, wie es in der sogenannten Gestis-Stoffdatenbank des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung heißt. Demnach hat das Gas lebensbedrohliche Wirkungen auf Nerven- und Herz-Kreislaufsystem und führt zu Schädigungen im Atemtrakt. 

Der folgenschwere Arbeitsunfall hatte in der 9.500-Einwohner-Stadt Runkel große Bestürzung und Anteilnahme ausgelöst. Auf eingerichteten Spendenkonten kamen bislang rund 17.000 Euro für die Angehörigen der Todesopfer zusammen. Hinzu kommen etwas mehr als 6.000 Euro für die Helfer.


Bildnachweis: © Sascha Ditscher/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Polizei schießt am Frankfurter Hauptbahnhof auf Mann
Aus der Welt

Passanten hören Schüsse, ein Mann liegt verletzt am Boden. Am Abend teilt das Landeskriminalamt Hessen mit: Der Angeschossene hatte zuvor einen Polizisten mit einem spitzen Gegenstand verletzt.

weiterlesen...
Jugendlicher stellt sich nach Schuss auf Polizisten
Aus der Welt

Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien wird in Göttingen ein Polizist schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter ist zunächst auf der Flucht - dann aber stellt er sich.

weiterlesen...
Hitzealarm im Westen – Wetterdienst ruft zur Vorsicht auf
Aus der Welt

Am Donnerstag war es bereits heiß, der Freitag legt noch eine Schippe drauf. Wo es wie warm wird - und für wen das besonders kritisch ist.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Nur jede und jeder Zehnte nutzt gar keine Emojis
Aus der Welt

Lachen, Herzen, Zwinkern: Emojis werden in Chats häufig benutzt. Die Gen-Z sendet sie fast immer, Boomer tun es seltener. Viele sind unsicher, was manche bedeuten. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage dazu.

weiterlesen...
Wegen Hitze und Trockenheit Debatte um Wasserverbrauch
Aus der Welt

Einfach mal die Blumen gießen? In Teilen Europas ist das nicht mehr so einfach. In Deutschland wächst die Debatte über den Umgang mit knappem Wasser.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Nur jede und jeder Zehnte nutzt gar keine Emojis
Aus der Welt

Lachen, Herzen, Zwinkern: Emojis werden in Chats häufig benutzt. Die Gen-Z sendet sie fast immer, Boomer tun es seltener. Viele sind unsicher, was manche bedeuten. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage dazu.

weiterlesen...
Wegen Hitze und Trockenheit Debatte um Wasserverbrauch
Aus der Welt

Einfach mal die Blumen gießen? In Teilen Europas ist das nicht mehr so einfach. In Deutschland wächst die Debatte über den Umgang mit knappem Wasser.

weiterlesen...