2. August 2025 / Aus der Welt

Gletscherschmelze in den Alpen besonders früh

Jeden Winter füttert Schnee im Hochgebirge die Gletscher an, bevor die Sommerschmelze kommt. In diesem Jahr hat die Schmelze in den Alpen besonders früh begonnen. Warum?

Seit Ende Juni geht es bei der Schmelze schon an die Substanz der Gletscher. (Archivbild)
Veröffentlicht am 2. August 2025 um 06:30 Uhr

Es sieht nicht gut aus für die Alpengletscher in diesem Jahr: Das legt der Gletscherschwundtag nahe. Es ist der Tag, an dem der Winterschnee geschmolzen ist und es an die Substanz der Gletscher geht. Der Tag lag in der Schweiz in diesem Jahr vergleichsweise sehr früh, wie Gletscherforscher Andreas Bauder von der ETH Zürich berichtet. Er geschah je nach Gletscher bereits Ende Juni/Anfang Juli. «Die Situation dürfte in den gesamten Alpen ähnlich sein», sagte Bauder der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Mancher Laie ist angesichts des kühlen und vielerorts regnerischen Julis auch in den Alpen verwundert. Im Juli war der Schaden aber bereits angerichtet, wie Bauder erklärt. Wieso kam der Gletscherschmelztag so früh? 

Schneemangel im Winter

«Weil wir im Winter so wenig Schnee hatten», sagt er. «In einigen Regionen im Nordosten der Schweiz hatten wir am Ende des Winters noch nie so eine geringe Schneemenge auf den Gletschern.» Die sei sehr schnell geschmolzen. 

«Solange Schnee liegt, schmilzt kein Eis. Aber so hat die Ausaperung schon Ende Mai begonnen und sich durch den Juni rasant bis in den Juli fortgesetzt», sagt Bauder. Ausaperung ist der Fachbegriff für das Abschmelzen der Schnee- und Eisdecke.

Die Schweizer messen Schnee und Eis detailliert jeweils im Frühjahr und im Herbst an rund 20 der insgesamt rund 1400 Schweizer Gletscher. An 10 bis 15 werden über den Sommer weitere Messungen durchgeführt. Auf dieser Basis beruht die Bestimmung des Gletscherschwundtages. Zu den größten Schweizer Gletschern gehören etwa der Aletsch- und der Gornergletscher.

Im vergangenen Jahr fing der Sommer nach Angaben von Bauder mit viel größeren Schneemengen an. Dennoch verloren die Gletscher auch 2024 mehr, als sie im Winter gewonnen hatten. 

Wie zähflüssiger Honig

«Früher lag der Gletscherschwundtag eher Ende August/Anfang September, aber das haben wir in den vergangenen 20 Jahren schon nicht mehr erlebt», sagt Bauder. Mit dem Klimawandel gab es seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz kein Jahr mehr mit Gletscherwachstum.

Nach Angaben des Gletschermessnetzes Glamos hat sich das Volumen seit 1950 praktisch halbiert, von 92,3 auf 46,5 Kubikkilometer im vergangenen Jahr. Ein Kubikkilometer entspricht einem Eiswürfel mit einer Seitenlänge von 1000 Metern oder einer Milliarde Eiswürfeln mit einem Meter Seitenlänge. 

Selbst ein kalter August mit Schneefall in hohen Höhen könne kaum noch etwas ändern, sagt Bauder. Sommerschnee sei nicht so dicht wie der Winterschnee und schmelze schnell. «Ein Gletscher ist wie eine zähflüssige Masse Honig auf einer schiefen Ebene, er fließt nach unten», erklärt er. Wenn der Schneenachschub oben fehle, fließe zu wenig nach. Dann könne sich die Gletscherzunge unten nicht halten und schwinde.


Bildnachweis: © Anthony Anex/KEYSTONE/dpa
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