18. April 2025 / Aus der Welt

Karsamstag - zwischen Konsum und Grabesruhe

Vor den Feiertagen ist nach dem Feiertag: Der Karsamstag bietet eine eigenwillige Mischung aus religiöser Ernsthaftigkeit, alten Bräuchen und simpler Geschäftigkeit.

Ein Osterfeuer erhellt die Nacht. (Archivbild)
Veröffentlicht am 18. April 2025 um 04:45 Uhr

Der Karsamstag ist ein eigentümlicher Tag. Er gehört zu den Tagen rund um Ostern und hat religiösen Ursprung. Wenn man in die christliche Überlieferung schaut, passiert an diesem Tag - erst einmal gar nichts: Jesus ist tot, seine Anhängerschaft in Schockstarre.

Karsamstag hat heutzutage etwas Trubeliges. Nach dem Feiertag (Karfreitag) ist vor den Feiertagen (Ostersonntag und -montag). Hat der Bäcker noch ein Osterbrot? Ist genug frischer Salat im Haus? Hat das Fitness-Studio offen? Sind wirklich alle Geschenke fürs Osternest eingekauft? Der Karsamstag ist ein Tag voller Geschäftigkeit geworden.

Warum es Karsamstag heißt - und nicht Ostersamstag

Am Karfreitag erinnern Christen an den Leidensweg und den Tod Jesu. Daran schließt sich der Karsamstag an. Die Vorsilbe «Kar» geht auf das Althochdeutsche zurück und bedeutet so viel wie «Trauer» oder «Kummer». Der Ostersamstag ist dann der Samstag, der auf Ostersonntag folgt, also der Samstag eine Woche nach dem Karsamstag.

Was der Karsamstag für Christinnen und Christen bedeutet

Seltsam sei der Karsamstag, «geheimnisvoll und schweigsam», schrieb der katholische Theologe Karl Rahner in seinem Büchlein «Was Ostern bedeutet». Er interpretiert den Tag als Symbol der «Durchschnittlichkeit des Lebens», das sich in der Mitte halte zwischen dem Entsetzen des Karfreitags - und dem Jubel über Ostern, wenn nach christlicher Deutung Jesus von den Toten auferstanden ist: «Vielleicht haben wir auch schon das "Ärgste" in unserem Leben hinter uns.»

Im Neuen Testament ist der Tag nach Jesu Tod der Tag der Grabesruhe. Es ist Sabbat in Jerusalem, seine Anhängerinnen und Anhänger sind immer noch schockiert. Im Glaubensbekenntnis heißt es: Jesus sei «hinabgestiegen in das Reich des Todes». Der Karsamstag meint: Es gibt in der Geschichte Jesu kein schnelles Happy End. Es dauert. Aus katholischen Kirchen ist der Schmuck herausgeräumt, es läuten keine Glocken.

Zeit fürs Osterfeuer

Viele Osterfeuer werden traditionell am Abend des Karsamstags abgebrannt. Bei den Terminen in den Dörfern treffen sich die Leute, manchmal gibt es auch Essen und Trinken. Christliche Symbolik oder nicht? Dazu sagt die Wissenschaftlerin Heidrun Alzheimer, die lange den Lehrstuhl für Europäische Ethnologie an der Uni Bamberg innehatte: «Licht, Kerzen, Fackeln, Laternen, Feuerwerk und Feuer spielen als Elemente mit archaischem Reiz bis heute in zahlreichen Bräuchen eine zentrale Rolle.»

In vielen katholischen Gemeinden werde zu Beginn der Osternachtfeier vor der Kirche das Osterfeuer angezündet. «Vermutlich haben Missionare im achten Jahrhundert mit dem gesegneten Osterfeuer die heidnischen Frühlingsfeuer zu Ehren Wotans ersetzt. Wenngleich das Osterfeuer also vermutlich aus einem germanischen Kult abgeleitet wurde, ist es heute ein durch und durch christliches Symbol», sagt Alzheimer.

Am Karsamstag sind die Läden offen

Lange Schlangen beim Bäcker und an der Supermarktkasse, emsiges Treiben am Gemüsestand, um noch frischen Spargel für die Festtafel zu ergattern: Vor zwei aufeinander folgenden Feiertagen ist traditionell noch einmal viel los im Einzelhandel. Eine Schätzung, wie viel Umsatz am Karsamstag gemacht wird, hat der Handelsverband Deutschland (HDE) nicht. 

Aus Bayern heißt es: Die Umsätze an dem Tag seien zwar hoch, aber reichten nicht an jene des Gründonnerstags heran. Wenngleich der Samstag vor Ostern natürlich noch einmal zum Einkaufen genutzt werde, frische Lebensmittel und Blumen seien besonders gefragt, sagt der Sprecher des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann.

Und wenn alles erledigt ist...

... dann ist vielleicht noch Zeit für weitere Bräuche rund um Ostern: In einigen Regionen Deutschlands werden beispielsweise Brunnen festlich mit bunten Eiern geschmückt. Im fränkischen Bieberbach (Landkreis Forchheim) sind mehr als 10.000 Eier als kleine Kunstwerke verziert und an Girlanden aus Zweigen rund um eine Wasserstelle befestigt. In katholischen Gegenden hält sich der Brauch, so genannte Heilige Gräber in den Kirchen herzurichten, also eine Jesusfigur in eine Art reich verziertes Schaugrab zu legen.

Und auch wenn Ostern ein christliches Fest ist - die Bindung an die Kirchen ist im Sinkflug, religiöses Wissen schwindet in der Gesellschaft. «Angesichts steigender Kirchenaustritte beobachten wir eine zunehmende Distanzierung von den christlichen Wurzeln des Osterfestes», sagt Expertin Alzheimer. «Anlässe wie Weihnachten und Ostern sind insbesondere in Geschäften und Einkaufsstraßen nicht zu übersehen und tragen wesentlich zum Jahresumsatz bei. Dadurch gewinnen auf Außenwirkung zielende Osterdekorationen an Bedeutung und religiöse Aspekte verblassen.»


Bildnachweis: © Frank Hammerschmidt/dpa
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