Beim Thema K.o.-Tropfen wären höhere Strafen aus Sicht von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig für potenzielle Täter ein deutliches Zeichen der Abschreckung. «Das ist schon ein starkes Signal und ein starkes Stoppschild, wenn man weiß: Wenn man so etwas tut, dann ist man mit mindestens fünf Jahren Freiheitsstrafe dabei», sagte die SPD-Politikerin im ARD-«Morgenmagazin». Die Bundesregierung will für den Einsatz sogenannter K.o.-Tropfen höhere Strafen. Wer die gefährlichen Mittel für eine Vergewaltigung oder einen Raub einsetzt, soll laut einem Entwurf der Bundesregierung künftig mit mindestens fünf Jahren Freiheitsstrafe rechnen müssen. Dazu sollen K.o.-Tropfen rechtlich so eingestuft werden wie eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug. Abschreckung alleine helfe nie, sagte die Justizministerin. «Wir brauchen Aufklärung, wir brauchen eine bessere Prävention – alles, was dazugehört.» Als Gesetzgeber sei es wichtig, zu sagen: «Bis hierhin und nicht weiter. Und wenn du diese Linie überschreitest, dann wird es richtig heftig.» Am Nachmittag steht die erste Beratung zu dem Vorhaben im Bundestag an. Der Gesetzentwurf ist nach Angaben aus dem Justizministerium Teil einer Gesamtstrategie zum besseren Schutz von Frauen vor Gewalt, mit mehr Prävention, Aufklärung und Unterstützung für Betroffene. Der Bundesgerichtshof hatte 2024 entschieden, dass K.o.-Tropfen nicht als «gefährliches Werkzeug» im Sinne des Strafgesetzbuches zu verstehen seien. Per Mitteilung aus ihrem Ministerium erklärte Hubig: «Vergewaltigungen unter Einsatz von K.-o.-Tropfen oder anderen narkotischen Mitteln sind besonders niederträchtig: Die Täter betäuben ihre Opfer, um sie sexuell misshandeln zu können.» Gewalt gegen Frauen sei ein «massives Problem, das wir nur mit einem umfassenden Ansatz in den Griff bekommen». Im ARD-«Morgenmagazin» sagte die SPD-Politikerin: «Wir müssen es in der Gesellschaft schaffen, dass nicht die Betroffenen diejenigen sind, die sich schämen, sondern, dass es die Täter sind.» An der Frage, wie der Schutz verbessert werden könne, werde in den Ländern und Kommunen ständig gearbeitet. «Wir haben mittlerweile ein deutlich höheres Netz an Möglichkeiten, wo man zum Beispiel anonym die Spuren sichern kann.» Die Strafverschärfung hält der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbunds, Sven Rebehn, für angemessen – doch damit allein lasse sich der Schutz vor Sexual- und Gewaltdelikten kaum verbessern. «Es ist nicht das gesetzliche Strafmaß, das auch heute schon bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe zulässt, sondern das Risiko, überführt und verurteilt zu werden, das mögliche Straftäter abschreckt», sagte er. Es sei deshalb vor allem die Strafverfolgung, bei der die Politik für eine größere Schutzverantwortung ansetzen müsse: Vielfach unterbesetzte Staatsanwaltschaften seien heute kaum noch in der Lage, eingehende Sexualstrafverfahren zügig zu bearbeiten. Das erschwere die Wahrheitsfindung und erhöhe die Belastung der Betroffenen.Hubig: Nicht Betroffene müssen sich schämen, sondern Täter
Richterbund: Mehr Ressourcen für Strafverfolgung nötig
Bildnachweis: © Christian Thiele/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
K.o.-Tropfen: Mit höheren Strafen mögliche Täter abschrecken
Potenzielle Täter sollen wissen: «Wenn du diese Linie überschreitest, dann wird es richtig heftig.» Justizministerin Hubig setzt auf Abschreckung und Prävention.
Meistgelesene Artikel
- 9. September 2026
Paracetamol in Schwangerschaft? Mögliche Folgen für Töchter
Paracetamol gilt in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl gegen Schmerzen und Fieber. Eine Studie deutet nun darauf hin, dass das Medikament die Fortpflanzungsorgane von Töchtern beeinflussen kann.
- 9. September 2026
Zeugen retten Vierjährige vor Zug - Mutter vor Gericht
Eine Mutter soll mit ihrer Tochter auf Gleise gegangen sein, um sich und das Kind von einem Zug überfahren zu lassen. Zeugen zogen beide weg. Nun steht die Frau wegen versuchten Mordes vor Gericht.
- 9. September 2026
Boot mit Journalisten am Vulkan Anak Krakatau vermisst
Fünf Journalisten wollten über den Ausbruch des Anak Krakatau berichten. Dann verschwand ihr Boot spurlos. Die Suche wird durch Vulkanasche erschwert - aber es gibt noch Hoffnung.
Neueste Artikel
- 6. Oktober 2026
Germanwings-Katastrophe: Angehörige scheitern mit Klage
2015 stürzt eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab, 150 Menschen sterben. Warum eine neue Schmerzensgeldklage der Angehörigen der Toten nun abgewiesen wird.
- 6. Oktober 2026
Angeblich kein Pestfall in Sibirien - doch neue Infos fehlen
Der Corona-Schock sitzt Menschen weltweit noch in den Knochen, deshalb schrecken Nachrichten aus dem fernen Sibirien auf. Die Pest? Experten sagen, warum Forschung zu der Krankheit notwendig ist.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 6. Oktober 2026
Germanwings-Katastrophe: Angehörige scheitern mit Klage
2015 stürzt eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab, 150 Menschen sterben. Warum eine neue Schmerzensgeldklage der Angehörigen der Toten nun abgewiesen wird.
- 6. Oktober 2026
Angeblich kein Pestfall in Sibirien - doch neue Infos fehlen
Der Corona-Schock sitzt Menschen weltweit noch in den Knochen, deshalb schrecken Nachrichten aus dem fernen Sibirien auf. Die Pest? Experten sagen, warum Forschung zu der Krankheit notwendig ist.

