5. August 2026 / Aus der Welt

Nach Skandal: Top-Restaurant Noma ist zurück

Das weltberühmte Noma öffnet wieder: In Kopenhagen erfindet es sich ab heute neu. Obwohl, nicht ganz. Ex-Starkoch Redzepi ist in neuer Rolle mit dabei - trotz massiver Vorwürfe früherer Mitarbeiter.

René Redzepi kehrt nach seinem Rücktritt als Küchenchef in einer neuen Rolle in das dänische Spitzenrestaurant Noma zurück. (Archivbild)
Veröffentlicht am 5. August 2026 um 12:43 Uhr

Nach einem Skandal um Gewalt und Demütigung gegen mehr als 30 frühere Mitarbeiter öffnet der weltberühmte Gourmettempel Noma in Kopenhagen heute wieder permanent seine Türen. In dem Spitzenrestaurant wird der einst gefeierte Mitgründer, Besitzer und Ex-Küchenchef René Redzepi weiter eine tragende Rolle spielen - obwohl er Mitarbeiter ins Gesicht geschlagen, sie mit Küchenutensilien gestochen und gegen Wände geschleudert haben soll.

Fast drei Dutzend frühere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten dem Dänen und weiteren Vorgesetzten in der «New York Times» vorgeworfen, ihnen zwischen 2009 und 2017 regelmäßig physische und psychische Gewalt angetan zu haben. Er soll Mitarbeitern auch gedroht haben, seinen Einfluss zu nutzen, um sie in Restaurants auf der ganzen Welt auf die Blacklist zu setzen, ihre Familien auszuweisen oder ihre Partner aus anderen Jobs feuern zu lassen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war Redzepi von seinem Posten als Chefkoch zurückgetreten. In einem Zeitungsinterview gab er zu, ein «Idiot» gewesen zu sein. Er habe aber «keine extremen Dinge getan». 

Zwei neue Küchenchefs setzen Redzepis Visionen künftig um

Künftig übernimmt er im Noma die Rolle des Kreativ-Direktors und bleibt Mehrheitseigner. Küchenchefs werden aber die Dänin Mette Brink Søberg und der Mexikaner Pablo Soto. «René wird keine Rolle im Tagesgeschäft haben, aber wir werden weiterhin regelmäßig mit ihm im Austausch stehen, weil wir seine Visionen für die Zukunft in die Tat umsetzen sollen», sagte Mette Brink Søberg der Nachrichtenagentur Ritzau. Es sei jetzt vor allem wichtig gewesen, Führungskräfte «mit der richtigen Haltung» einzustellen. «Wenn jemand Grenzen überschreitet, greifen wir sofort ein.»

Søberg arbeitet demnach seit 13 Jahren im Noma. «Ich habe in meiner Zeit hier auch erlebt, dass Leidenschaft manchmal dazu führt, dass Menschen ihre Gefühle nicht mehr unter Kontrolle haben», sagte sie Ritzau, ohne näher darauf einzugehen, was für Vorfälle sie meint. Inzwischen habe das Noma aber etwa eine Personalabteilung und Mitarbeitergespräche eingeführt. 

Das Noma wurde 2003 gegründet und hat dazu beigetragen, Kopenhagen als Food-Destination für nordische Küche auf die Landkarte zu setzen. Es wurde von der Fachzeitschrift «Restaurant Magazine» mehrfach zum besten Restaurant der Welt gekürt. 2024 hatte das Noma den regulären Betrieb eingestellt. Zuletzt hatte es drei Sterne. Die will es nach der Neueröffnung nun zurückerobern. «Das ist eine wichtige Motivation», sagte Küchenchefin Søberg. «Außerdem bedeutet dieses Qualitätssiegel vielen Gästen sehr viel.»


Bildnachweis: © Robin Van Lonkhuijsen/ANP/epa/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Dutzende Hotelgäste nach Pool-Vorfall in Spanien in Klinik
Aus der Welt

Giftige Gase im Hotelpool: Mehr als 60 Gäste, darunter Kinder und Senioren, landen nach dem Schwimmen in der Klinik. Wie konnte das passieren?

weiterlesen...
«Die Laura fehlt uns allen» - Stilles Gedenken zum Todestag
Aus der Welt

Vor einem Jahr verunglückte die Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier im Karakorum-Gebirge. Familie und Freunde begehen den Todestag in aller Stille - in Erinnerung an Dahlmeiers Lebensfreude.

weiterlesen...
Was wir über den Verdächtigen Abdul B. wissen und was nicht
Aus der Welt

Tagsüber wird beim Christopher Street Day ausgelassen gefeiert, am Abend gibt es bei einem Angriff eine Tote und viele Verletzte. Was bisher über den mutmaßlichen Täter bekannt ist.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Mindestens 44 Tote bei Bootsunglück in Simbabwe
Aus der Welt

Eine überfüllte Fähre kentert auf dem Karibasee in Simbabwe. Mindestens 44 Menschen sterben. Die Suche nach Überlebenden läuft weiter.

weiterlesen...
Lava-Spektakel, aber Reisechaos: Ätna legt Catania lahm
Aus der Welt

Der Ätna kommt nicht zur Ruhe und der Flughafen Catania bleibt dicht: Für zahlreiche Urlauber wird das spektakuläre Naturschauspiel zum Alptraum. Lange Schlangen und gestrichene Flüge sind die Folge.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Mindestens 44 Tote bei Bootsunglück in Simbabwe
Aus der Welt

Eine überfüllte Fähre kentert auf dem Karibasee in Simbabwe. Mindestens 44 Menschen sterben. Die Suche nach Überlebenden läuft weiter.

weiterlesen...
Lava-Spektakel, aber Reisechaos: Ätna legt Catania lahm
Aus der Welt

Der Ätna kommt nicht zur Ruhe und der Flughafen Catania bleibt dicht: Für zahlreiche Urlauber wird das spektakuläre Naturschauspiel zum Alptraum. Lange Schlangen und gestrichene Flüge sind die Folge.

weiterlesen...