Der Pelzmantel erlebt ein Comeback, vor allem als «Oma-Pelz» oder auch als umgearbeitetes Unikat, wie Betreiber von Secondhand-Läden und Kürschner berichten. «Das ist das erste Jahr, in dem diese speziellen Oma-Pelzmäntel wieder richtig in Mode kommen», sagt etwa Rosemoon Cunningham, Mit-Inhaberin von «Ophelia Vintage» in Berlin-Friedrichshain. Tierschützer sehen selbst das Tragen gebrauchter Pelze kritisch. Für Cunningham ist Pelz ein Statement, das Diskussionen auslöst. «Es erfordert Mut, einen Pelzmantel zu tragen. Man trägt ein Tier, das kann provokant sein.» Vor jedem Verkauf führt sie deshalb Gespräche. Entscheidend ist für sie der Vintage-Aspekt. «Für uns ist echtes Vintage-Fell etwas ganz anderes als neue Pelzproduktion», erklärt die Händlerin. Pelze aus der Zeit vor den 1980er-Jahren empfindet sie als ethisch vertretbarer. Sie wären klar als historisches Kleidungsstück erkennbar. Viele stammen von Großmüttern, aus den 1940er- oder 1960er-Jahren, oft mit einer persönlichen Geschichte. «Es wäre schrecklich, wenn diese Mäntel einfach auf einer Mülldeponie landen würden», sagt sie. Für viele Käufer überwiege genau dieses Argument. Besonders Menschen zwischen Mitte zwanzig und etwa dreißig kaufen sie – inspiriert von Popkultur und dem unkonventionellen Berliner Stil, berichtet Cunningham. Pelz werde als Ausdrucksmittel gesehen, bleibe aber ein Nischenprodukt. Kunstpelz verkaufe sich schneller. Ähnlich sieht es Diana Durdic von «Sing Blackbird Vintage» in Berlin-Neukölln. «Es ist auch nicht nachhaltig, Kunstpelze neu zu produzieren. Dann lieber echte, die schon getragen wurden und die man so vor dem Wegwerfen rettet», sagt sie. Anfangs skeptisch, entschied sie sich letztlich wegen des Nachhaltigkeitsaspekts, Pelz anzubieten. Transparenz über Herkunft und Zustand sei entscheidend. Auch im Secondhand-Laden «wsiura» ist der Trend deutlich spürbar. «Pelzmode geht sehr gut weg», sagt Mitarbeiterin Kanya. Winterkälte, Modefunktionalität und aktuelle Trends treiben den Verkauf. Besonders gefragt sind demnach lange Mäntel, Schals und Hüte aus älteren Jahrzehnten. «Dieses Jahr hatten wir 300 Pelzmäntel im Laden, davon hängen nur noch neun oder zehn.» Viele Kundinnen und Kunden bestellen ihren Angaben zufolge gezielt Oma-Pelze vor. Ein Treiber sei der «Slavic Style». «Leute möchten osteuropäisch aussehen», sagt Kanya. Zudem orientieren sie sich an internationalen Laufstegen, auf denen Pelz wieder häufiger auftauche. Für viele habe Vintage-Pelz auch nostalgischen Wert. Manche kaufen ihn demnach sogar ausschließlich zum Sammeln. Der Deutsche Tierschutzbund sieht nicht nur neue, sondern auch Secondhand-Pelze kritisch. «Pelz steht immer für Tierleid – unabhängig davon, ob das Produkt neu gekauft, weitervererbt oder gebraucht wieder in Umlauf gebracht wird», sagt Nadia Wattad. Das Tragen von Echtpelz – auch gebraucht – könne dazu beitragen, Pelz wieder salonfähig zu machen und als Mode zu etablieren. «Das sendet ein falsches Signal und kann Trends befördern, die letztlich auch dem Markt für neue Pelzprodukte nützen», erklärt Wattad. Der Deutsche Tierschutzbund rate daher dazu, auf pelzfreie, tierfreundliche Alternativen zu setzen. Vorhandene Pelze sollte man aus Sicht der Tierschützer lieber zu Sofakissen oder Decken verarbeiten. Dann wärme man sich zu Hause damit, verhindere aber, dass man Pelz im Modebild Auftrieb gebe. Kürschner wie die Berlinerin Birgit Pietsch verarbeiten Pelze des Labels «Weprefur». Der Zentralverband des Kürschnerhandwerks bewirbt damit Felle aus waidgerechter Jagd aus dem Wald, dem Feld und der Wiese, also Felle, die ohnehin anfallen. «Die nationalen Tierschutz- und gesetzlichen Jagdrichtlinien werden hier selbstverständlich eingehalten», heißt es dazu. Der Tierschutzbund sieht auch die Initiative Weprefur kritisch. Es sei ein «Versuch, bestimmte Pelzarten als ökologisch und tierfreundlich darzustellen und so Pelzen generell ein besseres Image zu verschaffen». Gerade bei jungen Leuten gehe der Trend dahin, dass sie aus Nachhaltigkeitsgründen lieber alte Sachen auftragen als neue kaufen, beobachtet Pietsch. In ihrem Laden passt sie auch alte Pelze an oder näht sie zu modernen Modellen um. Ein Pelz, den man Jahrzehnte tragen könne, sei nachhaltig. «Es ist besser, als wenn man Webpelz trägt, in dem Rohöl verarbeitet ist», sagt die Kürschnerin. Auch die Kürschnerin Isabel Penth aus Völklingen im Saarland zählt viele junge Menschen zwischen 20 und 30 zu ihren Kunden. «Die kommen mit den geerbten Pelzen ihrer Großmütter und lassen sie umarbeiten», so die Handwerkerin, die ausschließlich Upcycling-Stücke herstellt. Neben Jacken und Mänteln sind das auch Wohnaccessoires wie Kissen und Decken. «Pelze kann man 50 bis 80 Jahre tragen. Das gilt für kein anderes Material», sagt die Kürschnerin. Laut Deutschem Tierschutzbund gibt es aktuell keine Pelzfarm mehr in Deutschland. Es bestehe zwar kein generelles Verbot, doch die Farmen hätten aufgrund strengerer Vorgaben die Produktion eingestellt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat die Pelzindustrie in Deutschland im Laufe der Jahre stark an Bedeutung verloren. Da nur noch weniger als drei Unternehmen ihre Daten melden, unterliegen diese Angaben der statistischen Geheimhaltung, teilte ein Mitarbeiter des Amtes mit.Pelz als Statement
Pelz als Nischenprodukt - Kunstpelz beliebter
Von 300 Mänteln wurden die meisten verkauft
Tierschutzbund: Pelze lieber zu Kissen und Decken verarbeiten
Naturpelz versus Kunststoff aus Rohöl
Statistiker: Pelzindustrie hat stark an Bedeutung verloren
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Oma-Look oder Upcycling: Gebrauchte Pelze feiern Comeback
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