9. September 2025 / Aus der Welt

Polizei ermittelt in mehreren Städten zu Sprachtest-Betrug

Gefälschte Sprachzertifikate für bis zu 2.700 Euro: Wie Betrüger Behörden austricksen – und wie Polizei und Ausländerämter reagieren.

Erfolgreich absolvierte Sprachtests werden nicht nur für die Einbürgerung verlangt, sondern in vielen Fällen auch für den Familiennachzug. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 9. September 2025 um 17:48 Uhr

Die Polizei ermittelt aktuell in mehreren Bundesländern wegen des Handels mit gefälschten Sprachzertifikaten, für die in sozialen Medien geworben wird. Laut einer Recherche von «Stern» und RTL verlangen die Betrüger für die vermeintlichen Zertifikate, die etwa bei einer Einbürgerung verlangt werden, zwischen 750 Euro und 2.700 Euro.

Ein Mittel, um solche Fälschungen zu erkennen, ist aus Sicht des Bundesinnenministeriums ein persönliches Gespräch mit den Einbürgerungswilligen. «Die deutsche Staatsangehörigkeit bildet den Abschluss eines gelungenen Integrationsprozesses», betonte eine Sprecherin des Ministeriums. 

Um Betrug hier konsequent zu verhindern, sei «die persönliche Vorsprache der Antragstellenden im Einbürgerungsverfahren unerlässlich», sagte sie. Dieses Gespräch solle zudem möglichst frühzeitig im Prozess stattfinden. Um die Verfahren wirksam vor Fälschungen zu sichern, stehe das Ministerium in engem Austausch mit den Ländern - etwa zur Nutzung besonders verlässlicher Testanbieter.

Zugriff in Hamburg

Die Hamburger Polizei teilte auf Anfrage mit, dass es in der Hansestadt zu dieser Art von Betrug Ermittlungsverfahren im mittleren zweistelligen Bereich gebe. Zudem bestätigte der Sprecher einen Zugriff am 19. Juli. Nähere Angaben wollte er mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen aber nicht machen. 

Ein Sprecher des Innenministeriums in Düsseldorf sagte: «Das Phänomen gefälschter Sprachzertifikate, manipulierter Einbürgerungstests sowie der sogenannten Stellvertreterprüfungen ist der Polizei Nordrhein-Westfalen bekannt und stellt in der polizeilichen Praxis ein aktuelles, wenngleich kein neues, Aufgabenfeld dar.» Entsprechende Straftaten würden konsequent verfolgt. 

Information an die Ausländerbehörde

In den jeweiligen Ermittlungsverfahren finde zudem auch regelmäßig ein Informationsaustausch mit weiteren Behörden statt. Beispielsweise würden die Ausländerämter, denen ausweislich der polizeilichen Ermittlungen gefälschte Sprachzertifikate im Zuge eines Einbürgerungsverfahrens vorgelegt wurden, hierüber informiert. Damit würden diese in die Lage versetzt, Maßnahmen in eigener Zuständigkeit zu treffen. Etwa um die Rücknahme einer Einbürgerung in die Wege zu leiten. Da es sich bei diesen Straftaten um bundesweit relevante Phänomene handele, würden diese zudem auch auf Ebene polizeilicher Fachgremien behandelt, «um kriminelle Strukturen zu identifizieren, geeignete Bekämpfungsstrategien zu entwickeln und zielgerichtete Präventionsmaßnahmen zu initiieren».

Wer eingebürgert werden will, muss in der Regel selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Außerdem gilt es auf dem Weg zum deutschen Pass zwei Hürden zu überwinden: den Einbürgerung- und auch den Sprachtest.


Bildnachweis: © Uli Deck/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Zeugen retten Vierjährige vor Zug - Mutter vor Gericht
Aus der Welt

Eine Mutter soll mit ihrer Tochter auf Gleise gegangen sein, um sich und das Kind von einem Zug überfahren zu lassen. Zeugen zogen beide weg. Nun steht die Frau wegen versuchten Mordes vor Gericht.

weiterlesen...
Paracetamol in Schwangerschaft? Mögliche Folgen für Töchter
Aus der Welt

Paracetamol gilt in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl gegen Schmerzen und Fieber. Eine Studie deutet nun darauf hin, dass das Medikament die Fortpflanzungsorgane von Töchtern beeinflussen kann.

weiterlesen...
Boot mit Journalisten am Vulkan Anak Krakatau vermisst
Aus der Welt

Fünf Journalisten wollten über den Ausbruch des Anak Krakatau berichten. Dann verschwand ihr Boot spurlos. Die Suche wird durch Vulkanasche erschwert - aber es gibt noch Hoffnung.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Der Schaltsekunde steht das Aus bevor
Aus der Welt

Schaltsekunden gleichen Unterschiede zwischen der unregelmäßigen Erdrotation und unseren präzisen Atomuhren aus. 27 Mal wurde bisher eine eingefügt, zuletzt 2016 - es dürfte die letzte gewesen sein.

weiterlesen...
WWF: Tierbestände nehmen weiter stark ab
Aus der Welt

Weltweit sind Wildtiere unter Druck, ihre Bestände nehmen seit Jahrzehnten immer weiter ab. Verantwortlich ist dafür der Mensch - der aber auch etwas tun kann.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Der Schaltsekunde steht das Aus bevor
Aus der Welt

Schaltsekunden gleichen Unterschiede zwischen der unregelmäßigen Erdrotation und unseren präzisen Atomuhren aus. 27 Mal wurde bisher eine eingefügt, zuletzt 2016 - es dürfte die letzte gewesen sein.

weiterlesen...
WWF: Tierbestände nehmen weiter stark ab
Aus der Welt

Weltweit sind Wildtiere unter Druck, ihre Bestände nehmen seit Jahrzehnten immer weiter ab. Verantwortlich ist dafür der Mensch - der aber auch etwas tun kann.

weiterlesen...