Hunderte Drohmails mit vorgetäuschten Bombendrohungen lösten bundesweit nicht nur große Polizeieinsätze aus, sondern auch Angst und Schrecken bei der Bevölkerung. Nun haben Ermittler in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen die Wohnungen von vier Beschuldigten sowie eines Zeugen in Sachsen-Anhalt durchsucht, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mitteilten. Die Bombendrohungen richteten sich unter anderem gegen Schulen, Bahnhöfe und Einkaufszentren. Die Mails lösten hunderte Polizeieinsätze in ganz Deutschland, aber auch in Österreich aus. Bei den Verdächtigen handelt es sich laut ZIT um einen 23-Jährigen aus Frankfurt, einen 20-Jährigen aus Dortmund sowie zwei 16-Jährige aus NRW und Niedersachsen. Der jugendliche Zeuge in Sachsen-Anhalt stehe nicht unter Verdacht. Die Vernehmungen sind nach Angaben der Ermittler noch nicht abgeschlossen. In Nordrhein-Westfalen werde gegen einen polizeibekannten 20-Jährigen aus Dortmund sowie gegen einen 16-Jährigen aus Herne ermittelt, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten zahlreiche elektronische Geräte und Speichermedien sicher. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die Gruppe virtuell getroffen und die Drohungen vor den heimischen Bildschirmen geplant und umgesetzt hat. Als Kommunikationsweg soll eine geschlossene Messenger-Gruppe namens «Schweinetreff» gedient haben. Ziel sei gewesen, «den öffentlichen Frieden unter Androhung von Straftaten zum Nachteil von Leib und Leben zu stören, größtmögliche Einsatzlagen auszulösen und größtmögliche Verunsicherung in der Bevölkerung zu erzeugen». Beispielsweise hatten Unbekannte im Mai 2024 in einer Mail an die Polizei behauptet, mehrere Bomben in dem großen Essener Einkaufszentrum platziert zu haben. Das Zentrum einschließlich Parkhaus war komplett geräumt worden. Erst nach einer Durchsuchung unter anderem mit Spürhunden hatte die Polizei das Gebäude wieder freigegeben. Für Kunden und Mitarbeiter, die stundenlang nicht zu ihren Autos im gesperrten Parkhaus konnten, wurde eine Anlaufstelle eingerichtet. Im Dezember 2024 traf es ein großes Einkaufszentrum zwischen Halle und Leipzig, das nach einer Drohmail an die Bundespolizei zeitweise geräumt wurde. Etwa 500 Personen mussten nach Polizeiangaben das Einkaufszentrum verlassen. Auch in diesem Fall wurde mit Sprengstoffspürhunden gesucht - jedoch kein Sprengsatz gefunden. Es habe eine Welle von Bombendrohungen gegeben, sagte der ZIT-Leiter, Oberstaatsanwalt Benjamin Krause. Diese hätten teilweise den gleichen Wortlaut gehabt, somit sei es einfach gewesen, einen Zusammenhang zu erkennen. Neben Deutschland sei insbesondere Österreich von vergleichbaren Drohungen betroffen gewesen. Die dortigen Ermittlungen sowie ein deutsch-österreichischer Informationsaustausch hätten zur Identifizierung der vier Beschuldigten in Deutschland geführt. «Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das aus meiner Sicht, ist es ein sprichwörtlich asoziales Verhalten, wenn man nur an die eigene Belustigung denkt und nicht daran, was solche Bombendrohungen mit den Betroffenen und der Gesellschaft machen», sagte Krause. Auch wenn sich die Drohungen nicht bewahrheitet hätten, sei durch die Räumungen ein immenser Sachschaden im hohen fünfstelligen Bereich entstanden, hieß es in der Mitteilung. Zudem hätten besonders die Einsätze in Schulen psychologische Belastungen ausgelöst. Die Ermittler gehen nicht von einem politischen Hintergrund aus. Neben der Verunsicherung der Bevölkerung sei es auch darum gegangen, sich an der damit verbundenen Aufmerksamkeit zu erfreuen, hieß es. «Mutmaßlich um die Aufmerksamkeit zu verstärken, wiesen die Drohmails häufig auch eine islamistische Intention beziehungsweise einen islamistischen Bezug auf», hieß es. Doch die Ermittler betonten: Eine religiös motivierte Tatmotivation sei nicht belegt worden. «Das entschlossene Handeln der Strafverfolgungsbehörden zeigt, dass das Internet trotz vermeintlicher Anonymität keinen rechtsfreien Raum darstellt. Darüber hinaus können derartige Drohmails für den Absender zusätzlich sehr teuer werden, denn Großeinsätze der Polizei sind mit hohen Kosten verbunden», sagte BKA-Vizepräsident Sven Kurenbach.Gruppe soll sich in Chat-Gruppe «Schweinetreff» vernetzt haben
Zu den konkreten Fällen gehören:
Teils gleicher Wortlaut ließ auf überregionale Drohserie schließen
Deutsch-österreichischer Informationsaustausch führt zur Gruppe
Ermittler: Wer nur an eigene Belustigung denkt, verhält sich asozial
Was hat die mutmaßlichen Täter angetrieben?
BKA: «Internet ist kein rechtsfreier Raum»
Bildnachweis: © Florentine Dame/dpa
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Die Drohmails des «Schweinetreffs»: Polizei hebt Gruppe aus
Mutmaßlich war es die Lust am Schrecken anderer - ein Staatsanwalt nennt es «asozial»: Ermittler nehmen eine Gruppe ins Visier, die mit falschen Drohungen bundesweit die Polizei in Atem hielt.
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