Ärzte ohne Grenzen fordert einen drastisch niedrigeren Preis für das Medikament Lenacapavir zur Vorbeugung einer HIV-Infektion. «Niemand sollte von der HIV-Prävention ausgeschlossen werden, nur weil ein Medikament künstlich teuer gehalten wird», sagte Melissa Scharwey, Expertin für globale Gesundheit bei Ärzte ohne Grenzen, zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz in Rio de Janeiro. Die Organisation verlangt einen Preis von etwa 40 US-Dollar pro Person und Jahr sowie eine breite Produktion günstigerer Nachahmermedikamente (Generika). Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen veranschlagt der US-Pharmakonzern Gilead derzeit 28.000 Dollar für eine Jahresdosis Lenacapavir mit zwei Spritzen. Der Preis gilt allerdings für die Behandlung bereits HIV-infizierter Menschen in den USA und nicht für die vorbeugende Anwendung. Für Gesundheitssysteme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sei ein solcher Preis unbezahlbar, kritisiert die Organisation. Lenacapavir wird zur HIV-Prävention zweimal jährlich gespritzt und kann damit eine Alternative zu täglich einzunehmenden Tabletten zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) sein. Eine tägliche Einnahme sei für viele Menschen schwierig, da sie in Konfliktgebieten, Geflüchtetencamps und abgelegenen ländlichen Regionen lebten. Weltweit infizieren sich jedes Jahr nach Angaben des Aktionsbündnisses gegen Aids rund 1,2 Millionen Menschen neu mit HIV, etwa 570.000 Menschen sterben an den Folgen von Aids. Erstmals ereignet sich demnach inzwischen mehr als die Hälfte der Neuinfektionen außerhalb Subsahara-Afrikas. Zugleich steht die globale HIV-Bekämpfung wegen eines starken Rückgangs der internationalen Gesundheitsfinanzierung unter Druck. Die Welt-Aids-Konferenz findet vom 26. bis 31. Juli in Rio de Janeiro statt. Wissenschaftler, Politiker, Unternehmen, Aktivisten und Vertreter von Betroffenen beraten dort über die Zukunft der globalen HIV-Bekämpfung. Der Zugang zu Lenacapavir gehört zu den zentralen Themen des Treffens.Zwei Spritzen statt täglicher Tabletten
Weltweit 1,2 Millionen Neuinfektionen
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Ärzte ohne Grenzen fordert günstigeren HIV-Schutz
Ein Medikament kann HIV mit zwei Spritzen im Jahr verhindern. Doch Lenacapavir ist für viele Menschen zu teuer. Bei der Welt-Aids-Konferenz in Rio geht es deshalb auch um den Zugang zu dem Mittel.
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