Erst Gelsenkirchen, jetzt eine kleine Bankfiliale nahe Bremen: Unbekannte haben 14 Schließfächer in einer Volksbank im niedersächsischen Stuhr aufgebrochen. Die Polizei steht vor einem Rätsel: Wer sind die Täter? Wie hoch ist die Beute? «Zu den Inhalten können wir nichts sagen», meint ein Sprecher der Polizei am Samstagmittag. «Weil wir auch nicht wissen, was die Bankkunden da platziert haben.» Von außen deutet am Tag danach nichts auf den Einbruch hin. Keine Polizei mehr, nicht mal ein Absperrband ist zu sehen. Nur einige Kunden, die Geld abheben möchten oder verzweifelt nach Informationen suchen. Ihm sei «beschissen» zumute, meint Klaus Hriesik, der mit seiner Frau vor der verlassenen Filiale in der Kälte ausharrt. «Arg ist es schon, weil die Ersparnisse da drin sind, für den späten Lebensabend.» Seine Frau Irene Hriesik pflichtet ihm bei. «Es sind da auch Schmuckstücke drin», erzählt die Besitzerin eines Schließfachs. «Die bekomme ich ja nicht wieder. Das sind Teile von meiner Mutter oder von meiner Schwiegermutter und das ist natürlich mehr als ärgerlich.» Der Fall erinnere sie an Gelsenkirchen - nur dass sie es nie für möglich gehalten habe, einmal selbst betroffen zu sein. Ende Dezember hatten sich Einbrecher in Gelsenkirchen von einer benachbarten Tiefgarage aus über mehrere Tage hinweg mit einem Spezialbohrer Zugang zu einem Tresorraum verschafft. Sie brachen mehr als 3.000 Schließfächer auf und flohen mit Geld, Schmuck und Wertgegenständen in Millionenhöhe. In Stuhr sei nun alles viel schneller gegangen, berichtet ein Polizeisprecher. Die Täter nutzten am Freitag die Mittagspause von 12 bis 14 Uhr. Laut Polizei brachen die Unbekannten über einen Lichtschacht in den Keller ein. Sie seien zielgerichtet zu dem Raum mit den Schließfächern vorgedrungen, hätten gewaltsam die Tür geöffnet und einige Fächer leer geräumt. In dem Raum befinden sich laut Bank 718 Schließfächer - davon wurden 14 Fächer aufgebrochen und geplündert. «Alle anderen Fächer sind unversehrt», teilte die Bank mit. Die Beamten vermuten, dass die Täter nicht genug Zeit für weitere Fächer hatten. Nach der Mittagspause sei eine Mitarbeiterin in den Keller gegangen, berichtet der Polizeisprecher. Sie habe einen «ganz beißenden Geruch» festgestellt, ihr sei sofort übel geworden. Die Bank alarmierte die Einsatzkräfte. Die Feuerwehr rückte mit 87 Kräften aus, ein Trupp mit Chemieschutzanzügen und Atemschutz führte Messungen durch. Sie stellten eine unbekannte Flüssigkeit an Türen fest, eine Gefahr für die Gesundheit habe nicht bestanden. Der Hausmeister stellte schließlich Einbruchspuren fest, wie die Polizei weiter mitteilte. Türen, die nicht offen stehen sollten, hätten offen gestanden. Die unbekannte Flüssigkeit mit dem starken Geruch sei wahrscheinlich nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, meint der Polizeisprecher. Manche Täter wollen so die Arbeit der Beamten verzögern oder ihre Spuren verwischen. Laut Zeugen könnte es sich um drei Einbrecher handeln, sagte der Polizeisprecher. Sie sollen blaue Overalls getragen haben und vermutlich mit einem schwarzen Auto geflüchtet sein. Die Polizei sucht nach weiteren Zeugen und bittet um Hinweise zu den Tätern und dem Fluchtwagen. Anwohner sollten ihre Überwachungskameras überprüfen. «Wir haben zahlreiche Anrufe», sagt der Polizeisprecher. «Weil die Kunden in erster Linie auch bei uns einmal anrufen und die totale Sorge haben, dass ihr persönliches Schließfach angegangen wurde.» Die Bank richtete eine Hotline ein und verspricht, alle Betroffenen noch am Wochenende persönlich zu informieren. Die Ungewissheit sei schwer auszuhalten, meint auch Stephan Drettmann, der am Samstag vor der Filiale steht und auf mehr Informationen hofft. «Ist eine etwas schwierige Situation», sagt der Schließfachbesitzer. «Es ist auch nicht so ganz unerheblich, was dann weg wäre.» Eine andere Kundin schüttelt aufgebracht den Kopf. «Ich bin eigentlich sauer», meint die Frau. «Die Leute haben ihre Ersparnisse da. Das Vertrauen ist hin.» Wie konnten die Täter in der Mittagspause über einen Schacht unbeobachtet in den Tresorraum eindringen? Sie verstehe nicht, warum die Bank ihr Sicherheitskonzept nach dem Einbruch in Gelsenkirchen nicht verschärft habe. Die Bank weist die Vorwürfe von sich. «Unsere Sicherheits- und Schutzvorkehrungen entsprechen den aktuellen, banküblichen Standards und werden regelmäßig überprüft», betont eine Mitarbeiterin der Filiale. «Dazu zählen sowohl bauliche als auch organisatorische Maßnahmen.» Am Montag soll der Betrieb in der Geschäftsstelle normal weitergehen. Bankkunde Klaus Hriesik hat kein Verständnis. Es sei tragisch, dass die Bank nicht besser geschützt sei. «Am helllichten Tag mittags steigen die kleinen Gangster hier ein», sagt der Besitzer eines Schließfachs. «Das Ganze kann man nur als grob fahrlässig betrachten.»«Arg ist es schon»
Wie die Täter vorgingen
Beißender Geruch und offene Türen
Warum die Täter Flüssigkeit versprühten
Zwischen Wut und Hoffnung
Bank: Sicherheit wird regelmäßig geprüft
Bildnachweis: © Kai Moorschlatt/dpa
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Erneut Schließfächer in Bank geplündert - «Arg ist es schon»
Der Fall erinnert an den spektakulären Millionencoup von Gelsenkirchen: Wieder brechen Unbekannte Bank-Schließfächer auf. Kunden fürchten um ihre Wertsachen - doch die Beute dürfte geringer sein.
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