Im Berufungsprozess um die versuchte Erpressung der Familie von Michael Schumacher stellt Richter Markus Quantius eins ganz unmissverständlich klar: «Dass das, was hier passiert ist, eine absolute Sauerei ist, steht außer Frage.» Die Familie Schumacher war mit der Veröffentlichung privater Fotos und Videos von Michael Schumacher erpresst worden. Sie sollten 15 Millionen Euro zahlen, andernfalls werde man die Bilder im Darknet veröffentlichen. Der frühere Formel-1-Rennfahrer wird seit seinem schweren Skiunfall 2013 von seiner Familie und deren Mitarbeitern von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Er hatte eine schwere Kopfverletzung erlitten. Richter Quantius, Vize-Präsident des Landgerichts, dämpft die Erwartungen in beide Richtungen deutlich. Er sehe keinen Anlass, vom Urteil des Amtsgerichts wesentlich abzuweichen. Zu den drei Angeklagten sagt er: «Sie sollten eigentlich erkennen, dass hier wenig zu holen ist.» Gleiches gilt aber wohl auch für die Nebenklage, die besonders in einem Fall auf eine deutlich höhere Strafe pocht. Die Ansprache zeigt Wirkung: Der Sohn (31) des Hauptangeklagten zieht seine Berufung zurück. Er hatte sechs Monate Haft auf Bewährung erhalten. «Das erscheint mir nicht allzu hoch», hatte der Richter gesagt. Da weder Nebenklage noch Staatsanwaltschaft in seinem Fall Rechtsmittel eingelegt hatten, wird das Urteil sofort rechtskräftig. Ab nächste Woche sitzen damit nur noch zwei Angeklagte im Saal. Das Amtsgericht Wuppertal hatte den mehrfach vorbestraften Hauptangeklagten (54) Mitte Februar wegen versuchter Erpressung in einem besonders schweren Fall zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ein ehemaliger Sicherheitsmitarbeiter (54) der Familie wurde wegen Beihilfe zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 2.400 Euro Geldauflage verurteilt. Die Nebenklage will ihn als Mittäter zu einer deutlich höheren Strafe verurteilt sehen. Doch alle drei Angeklagten kündigen nach der Einführung des Richters an, schweigen zu wollen. In erster Instanz hatten noch zwei von ihnen Geständnisse abgelegt. Damit scheint eine Hoffnung der Nebenklage nicht aufzugehen: Dass der Hauptangeklagte den ehemaligen Sicherheitsmitarbeiter stärker belastet - im Gegenzug für eine mildere Strafe. Zum Hauptangeklagten, der gestanden hat, bei der Familie angerufen und die Geldforderung gestellt zu haben, sagt der Richter: «Dass hier eine geringere Strafe als drei Jahre herauskommt, drängt sich nicht auf.» Gegenüber dem ehemaligen Sicherheitsmitarbeiter der Familie wird der Richter ebenfalls deutlich: «Die Überlegungen des Amtsgerichts können nicht so weggewischt werden. Dass sie hier straffrei rausgehen werden: wenig wahrscheinlich.» Der 54-Jährige hatte die privaten Fotos und Videos digitalisiert und Zugriff auf die Dateien, die vom Anwesen der Familie Schumacher in der Schweiz verschwanden. Sein Verteidiger strebt dennoch einen Freispruch an, die Nebenklage hatte eine doppelt so hohe Strafe beantragt: vier Jahre. Erklärtes Ziel der Familie Schumacher als Nebenkläger ist es, dass der ehemalige Sicherheitsmitarbeiter (54) nicht wegen Beihilfe, sondern als Mittäter zu einer höheren Strafe verurteilt wird. «In meinen Augen war er der Drahtzieher hinter dieser Sache. Am meisten schockiert mich immer noch der massive Vertrauensmissbrauch. Er sollte dafür eine Strafe bekommen, die eventuelle Nachahmer abschreckt», hatte Michaels Ehefrau Corinna im Februar mitgeteilt. Doch der Richter gibt zu bedenken: «Es gibt keinen Geldfluss, keine unmittelbare Tatbeteiligung. Die Begründung der Berufung gibt auch nicht so viel her. Man kann sich fragen, ob es die Durchführung dieses Verfahrens wirklich bedarf.» Vier weitere Verhandlungstage sind bis Anfang Dezember angesetzt.Schuldspruch im Februar
Richter wird mehrfach deutlich
Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Schumacher-Erpressung: «Eine absolute Sauerei»
Über die gescheiterte Erpressung der Familie von Michael Schumacher wird am Wuppertaler Landgericht neu verhandelt. Einer der drei Schuldsprüche wird dabei direkt rechtskräftig.
Meistgelesene Artikel
- 23. Juni 2026
Polizei schießt am Frankfurter Hauptbahnhof auf Mann
Passanten hören Schüsse, ein Mann liegt verletzt am Boden. Am Abend teilt das Landeskriminalamt Hessen mit: Der Angeschossene hatte zuvor einen Polizisten mit einem spitzen Gegenstand verletzt.
- 16. Juni 2026
Jugendlicher stellt sich nach Schuss auf Polizisten
Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien wird in Göttingen ein Polizist schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter ist zunächst auf der Flucht - dann aber stellt er sich.
Am Donnerstag war es bereits heiß, der Freitag legt noch eine Schippe drauf. Wo es wie warm wird - und für wen das besonders kritisch ist.
Neueste Artikel
Ein Messerangriff in einem Elektronikmarkt schockiert. Ein Mitarbeiter verliert fast sein Leben, zwei andere werden verletzt. Der Angeklagte räumt den Mordversuch ein – und nennt auch sein Motiv.
Ein Verteilerkasten der Deutschen Bahn brennt zwischen Hamburg und Cuxhaven, Signalleitungen werden beschädigt. Die Folge: Züge fahren dort vorerst nicht mehr. Die Polizei hat einen Verdacht.
Weitere Artikel derselben Kategorie
Ein Messerangriff in einem Elektronikmarkt schockiert. Ein Mitarbeiter verliert fast sein Leben, zwei andere werden verletzt. Der Angeklagte räumt den Mordversuch ein – und nennt auch sein Motiv.
Ein Verteilerkasten der Deutschen Bahn brennt zwischen Hamburg und Cuxhaven, Signalleitungen werden beschädigt. Die Folge: Züge fahren dort vorerst nicht mehr. Die Polizei hat einen Verdacht.

