Über Stunden haben Tausende vor dem großherzoglichen Palast in Luxemburg auf diesen Moment gewartet. Dann ist es soweit: Der neue Großherzog Guillaume von Luxemburg erscheint mit seiner Frau, Großherzogin Stéphanie, auf dem Balkon - und winkt strahlend den jubelnden Menschen zu. Diese schwenken Luxemburg-Fähnchen und rufen «Guillaume! Guillaume!» Es ist ein historischer Moment. Hat es doch gerade im kleinen Luxemburg einen Thronwechsel gegeben. Zuerst dankt Großherzog Henri nach 25 Jahren im Amt ab und gibt das royale Amt an seinen ältesten Sohn Guillaume weiter. Wenig später folgt dann die Vereidigung des 43-Jährigen im Parlament: Er schwört den Eid auf die Verfassung und ist somit zugleich Staatschef. «Ich möchte ein Großherzog sein, der Brücken zwischen den Generationen, zwischen Tradition und Innovation schlägt», sagt er in seiner anschließenden sogenannten Thronrede. Ihm hören nicht nur zahlreiche Menschen an heimischen Bildschirmen in vielen Ländern und vor Großbildschirmen in der Stadt zu, über die die Zeremonie live übertragen wird. «Das ist ein historischer Moment», sagt die Luxemburgerin Hanna, die die luxemburgische Fahne als Umhang trägt. Sie schätze Guillaume: Er sei offen und bodenständig. Luca hat sich eine Krawatte mit den Luxemburger Nationalfarben rot, weiß, blau angezogen und sagt: «Ich finde es gut, dass der neue Großherzog so nahbar ist.» Es sind auch viele prominente Gäste gekommen, darunter hochrangige Politiker aus Europa und Königspaare: König Willem-Alexander und Königin Máxima aus den Niederlanden und König Philippe und Königin Mathilde aus Belgien. Zum Galadinner am Abend treffen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Gattin Elke Büdenbender sowie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dessen Frau Brigitte Macron im Palast ein. Es ist ein Tag mit viel Protokollarischem: offizielle Zeremonien, Empfang im Rathaus und der luxemburgischen Regierung. Dennoch geben sich Guillaume und Stéphanie immer wieder als Paar zum Anfassen: Auf dem Weg von einem zum anderen Ort schütteln sie geduldig Hände, halten kurze Gespräche und können fotografiert werden. Ja, er wolle volksnah und modern sein, sagt Guillaume der Deutschen Presse-Agentur. «Ich glaube, die Rolle des Großherzogs ist, wirklich ein offenes Ohr zu haben und zuzuhören, um anschließend unterstützend zu wirken.» Er und seine Frau wollten zeigen, dass die Monarchie nicht nur ein Palast sei - sondern dass sie auf den Menschen zugingen. So ist der erste Tag schon ein Vorgeschmack. Ein bisschen im Rampenlicht steht auch der älteste der beiden kleinen Söhne des Paares. Der fünfjährige Charles, der auf dem Balkon vom Arm des Papas munter hinunter winkt, ist nun der nächste Thronfolger. «Wie süß!» heißt es immer wieder vor dem Großbildschirm, als der kleine Charles zum Beispiel bei der Zeremonie im Parlament gähnt oder sich bei den Kanonenschüssen zu Ehren von Guillaume die Ohren zuhält. Ihm sei eine klare Trennung zwischen Arbeit und Familienleben wichtig, sagt Guillaume der dpa. Daher werde für seine Familie im Garten von Schloss Berg - der offiziellen Residenz des Großherzogs - ein Wohnhaus gebaut. Bis das Haus fertig sei, werde es aber noch dauern. Das neue Haus werde nicht mit öffentlichen Geldern finanziert. Die Feierlichkeiten zum Thronwechsel ziehen sich über drei Tage: Am Samstag besucht das großherzogliche Paar fünf Orte im Land - und am Abend (4.10.) steigt in der Hauptstadt eine große Party mit Konzert und Drohnenshow. Luxemburg ist das einzige noch heute bestehende Großherzogtum der Welt und zählt rund 670.000 Einwohner. Der luxemburgische Zweig der Dynastie Nassau-Weilburg existiert seit 1890. Guillaume ist der siebte Souverän im Haus Luxemburg-Nassau. Großherzog ist ein Titel für Monarchen im Rang zwischen König und Herzog. Er nimmt repräsentative Aufgaben wahr und verkündet Gesetze. Freundlich, offen und wortgewandt gibt sich der neue Großherzog, der fließend Luxemburgisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch spricht. Er hat Politikwissenschaft in Großbritannien und Frankreich studiert und zuvor eine Offiziersausbildung an der britischen Militärakademie Sandhurst absolviert. Seit Oktober 2012 ist er mit Stéphanie verheiratet, die aus einer belgischen Adelsfamilie stammt. Und er verrät zu seinem großen Tag noch ein kleines Geheimnis. In einem anderen Leben wäre er gerne Koch geworden. «Ich koche so gerne. Mein Geist kann sich da ganz beruhigen.» Er koche auch bestimmte Luxemburger Gerichte wie die «Gromperekichelcher», ein beliebtes Nationalgericht. Das sind in Öl frittierte Kartoffelpuffer, aber nach luxemburgischer Art. «Sie haben einen guten Geschmack, mit bisschen Zwiebeln drin und so weiter. Aber man nimmt nicht ab, wenn man sie isst. Das ist sicher», sagt er lachend.Menschen verfolgen Zeremonie auf Großbildschirmen
Fünfjähriger Charles wird Thronfolger
Guillaume verrät ein Geheimnis
Bildnachweis: © Omar Havana/AP/dpa
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«Guillaume!» - Luxemburg feiert neuen Großherzog
Große Gefühle in einem kleinen Land: Die Luxemburger haben nach 25 Jahren einen neuen Großherzog. Der Jubel ist groß.
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