Nachdem Hunderte Passagiere schneebedingt unfreiwillig eine Nacht in Flugzeugen am Münchner Flughafen verbringen mussten, sollen Betroffene eine finanzielle Entschädigung der Lufthansa erhalten. Wie hoch diese sein soll, wurde zunächst nicht bekannt. «Lufthansa hat noch am Freitag mit den betroffenen Passagieren Kontakt aufgenommen. Die Gäste erhalten entsprechende Entschädigungszahlungen», teilte ein Sprecher der Lufthansa Group mit. Fünf der sechs betroffenen Flüge zählten zur Lufthansa Group. Der Airport und die Lufthansa Group entschuldigten sich bei den Betroffenen für die «unzumutbare Situation». Man setze gemeinsam mit dem Flughafen München alles daran, dass sich solche Fehler nicht wiederholten. Vom Flughafen hieß es, es sei für die Passagiere eine schwierige und kaum nachvollziehbare Lage gewesen. «Wir arbeiten derzeit mit unseren Partnern daran, die Sachlage vollständig aufzuklären und unmittelbar Prozessverbesserungen umzusetzen», erklärte ein Flughafensprecher. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Airports, Finanzminister Albert Füracker (CSU), mahnte eine umfassende Aufklärung an. «Ich erwarte vom Flughafen in Abstimmung mit den Partnern einen zügigen und detaillierten Bericht, welche Verkettung von Umständen und Entscheidungen, auch mit Blick auf die Kommunikationswege, zu dieser Situation geführt hat», sagte er dem Sender Antenne Bayern. «Gleichzeitig erwarte ich unverzüglich eine Strategie mit konkreten Maßnahmen, die klar verhindert, dass sich so etwas wiederholt.» Die Situation für die Menschen an Bord der Maschinen sei schlicht inakzeptabel gewesen. «So etwas darf nicht passieren.» Insgesamt waren laut Flughafen in der Nacht zum Freitag sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen, die bereits an Bord waren und eigentlich starten sollten. Als die Flugzeuge dann aber wegen des starken Schneefalls wider Erwarten doch nicht abheben durften, fehlten Busse, um die Fluggäste ins Flughafengebäude zurückzubringen. Nach Angaben der Lufthansa traf es neben drei Lufthansa-Flügen nach Singapur, Kopenhagen und Danzig auch zwei Air-Dolomiti-Flüge nach Graz und Venedig. Außerdem betroffen war ein Flug einer anderen Airline. Zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens gilt in München die Nachtflugregelung. Um trotzdem doch noch möglichst viele Flüge zu ermöglichen, sei in der Nacht eine Sonderfluggenehmigung eingeholt worden und Flugzeuge seien noch bis 1.00 Uhr nachts auf die Rollfelder geschickt worden. Wegen des massiven Schneefalls konnten die betroffenen sechs Flieger in dem Zeitfenster nicht abheben. Die Schneefälle hatten nach Angaben des Flughafens am Donnerstag über den gesamten Tag für Verspätungen und Ausfälle gesorgt. 100 Flüge seien gestrichen worden. Weil die Terminalkapazitäten wegen Annullierungen im Tagesverlauf mit abgestellten Flugzeugen belegt waren, mussten die Flugzeuge auf Außenpositionen abgestellt werden. Wegen der nächtlichen Uhrzeit und wegen Defiziten bei der Kommunikation sei der Busverkehr stark eingeschränkt gewesen. Die Passagiere seien bestmöglich versorgt worden, hieß es. Laut Lufthansa hatten die Flugzeuge genug Strom und waren beheizt.«Unzumutbare Situation»
«So etwas darf nicht passieren»
Busse fehlten
100 Flüge gestrichen - Kapazitäten belegt
Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Unfreiwillige Nacht im Flieger - Entschädigung für Fluggäste
Kein Start wegen Schneechaos - doch statt im Hotel mussten Hunderte Fluggäste über Nacht in Fliegern ausharren. Was Airline, Airport und der Aufsichtsratschef des Flughafens dazu sagen.
Meistgelesene Artikel
- 11. Juli 2026
Geiselnahme in Berlin: Was wir wissen und was nicht
Ein Mann hält eine Frau in einem Supermarkt in Berlin fest. Es folgt ein stundenlanger Nervenkrieg - bis die Polizei den Mann überwältigt. Was bislang bekannt ist und welche Fragen noch offen sind.
Giftige Gase im Hotelpool: Mehr als 60 Gäste, darunter Kinder und Senioren, landen nach dem Schwimmen in der Klinik. Wie konnte das passieren?
- 11. Juli 2026
Polizei beendet Geiselnahme in Berlin - Frau gerettet
Kurz vor Feierabend bringt ein Mann in einem Supermarkt eine Frau in seine Gewalt. Es folgt ein stundenlanger Nervenkrieg. Die Polizei verhandelt - dann stürmt sie das Gebäude.
Neueste Artikel
- 9. August 2026
Drei Verletzte durch Schüsse in Dänemark
An einem Sonntagnachmittag fallen Schüsse in einer Wohngegend der dänischen Kleinstadt Holbæk. Zwei Tatverdächtige stellen sich am Abend selbst. Die Polizei ist weiter mit vielen Kräften vor Ort.
- 9. August 2026
Mutmaßlicher Gangster-Boss nach Irland ausgeflogen
Die kriminelle Organisation ist in Irland berüchtigt. Seit Jahrzehnten soll sie Drogen- und Waffenschmuggel kontrollieren. Jetzt soll der mutmaßliche Boss vor Gericht vorgeführt werden.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 9. August 2026
Drei Verletzte durch Schüsse in Dänemark
An einem Sonntagnachmittag fallen Schüsse in einer Wohngegend der dänischen Kleinstadt Holbæk. Zwei Tatverdächtige stellen sich am Abend selbst. Die Polizei ist weiter mit vielen Kräften vor Ort.
- 9. August 2026
Mutmaßlicher Gangster-Boss nach Irland ausgeflogen
Die kriminelle Organisation ist in Irland berüchtigt. Seit Jahrzehnten soll sie Drogen- und Waffenschmuggel kontrollieren. Jetzt soll der mutmaßliche Boss vor Gericht vorgeführt werden.

