21. August 2025 / Aus der Welt

Vögel singen wegen künstlicher Beleuchtung länger

Ist es Ihnen schon mal aufgefallen? Vögel singen morgens früher und abends länger. Forscher haben das bestätigt und verraten auch, was der Mensch damit zu tun hat.

Lichtverschmutzung hat Einfluss auf tagaktive Vögel wie das Rotkehlchen: Sie singen morgens früher und abends länger. (Archivbild)
Veröffentlicht am 21. August 2025 um 20:00 Uhr

In besonders stark beleuchteten Regionen singen Vögel täglich durchschnittlich 50 Minuten länger als in sehr dunklen. Das geht aus einer Analyse von 583 tagaktiven Arten hervor. Insgesamt gab es über Arten, Regionen und Jahreszeiten hinweg Hinweise darauf, dass Vögel am Morgen früher mit dem Gesang begannen, je stärker die Lichtverschmutzung war, heißt es in der im Fachjournal «Science» veröffentlichten Studie.

Lichtverschmutzung ist quasi Umweltverschmutzung. Denn viel künstliche Beleuchtung beeinflusst die Tierwelt, da sie zumindest Teile der Nacht nun mal zum Tage macht. 

Weltweite Datensammlung ausgewertet

Lichtverschmutzung beeinflusse die Aktivitäten von Tierarten, deren Verhalten vom natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel geprägt wird, erläutern die beiden Autoren. So könnten nachtaktive Zugvögel desorientiert sein, der Hormonhaushalt von Tieren leiden und Insekten gar sterben, schreiben Brent Pease von der Southern Illinois University in Carbondale und Neil Gilbert von der Oklahoma State University in Stillwater in ihrer Studie. 

Nun wurde dieses Phänomen den Angaben zufolge erstmals bei Vögeln verschiedenster Arten in diversen Gebieten und während unterschiedlicher Jahreszeiten festgestellt. Basis war eine weltweite Datensammlung aus Beobachtungen von tagaktiven Vögeln am Morgen und am Abend aus 2023/24. 

In den hellsten Landschaften begannen demnach der Gesang und das Gezwitscher der Vögel im Durchschnitt 18 Minuten früher und endete 32 Minuten später als in den dunkelsten. Die Reaktion auf Lichtverschmutzung waren bei Arten mit großen Augen, offen gebauten Nestern, der Gewohnheit zum Vogelzug und großen Verbreitungsgebieten am stärksten. Auch während der Brutzeit waren Vögel eher betroffen. 

Hat das Folgen für die Vögel?

Es ist den Forschern zufolge aber unklar, ob diese Auswirkungen positiv, negativ oder neutral für die Fitness der Tiere sind. «Einerseits können 50 Minuten anhaltender Aktivität einen erheblichen Verlust an Ruhezeit bedeuten, insbesondere während der Brutzeit, die für Vögel ohnehin schon anstrengend ist», schreiben Brent Pease und Neil Gilbert. 

Andererseits hätten Vögel auch tagsüber Möglichkeiten, sich zu erholen. Zudem könnte die zusätzliche aktive Zeit zu positiven Effekten führen, «wenn sie eine längere Nahrungssuche oder eine höhere Reproduktionsleistung ermögliche». Es sei daher nötig, weitere Studien durchzuführen.


Bildnachweis: © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
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