27. Mai 2026 / Aus der Welt

Vor allem Lebensmittelverpackungen vermüllen die Meere

Alltagsmüll belastet die Meere in aller Welt. Aber was schwimmt da eigentlich genau alles? Forscher zeichnen ein recht klares Bild – und haben auch Ratschläge parat.

Eine Flasche treibt im Meer - wie hier vor Ägypten.
Veröffentlicht am 27. Mai 2026 um 05:00 Uhr

Plastikflaschen, Snackverpackungen und Tüten gehören an vielen Küsten weltweit inzwischen dazu. Kein Wunder, denn pro Jahr landen rund 20 Millionen Tonnen Plastik in der Umwelt – und vom Festland über Flüsse bis in die Meere und Ozeane. Hier gefährdet der Müll Ökosysteme, belastet Küstenregionen und stellt eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit der Lebewesen dar. Eine im Fachjournal «One Earth» veröffentlichte Studie gibt Aufschluss darüber, was genau die Gewässer vermüllt.

«Wir wissen, dass das Problem riesig ist, aber nicht, welche spezifischen Produkte die Hauptschuldigen auf globaler Ebene sind», erklärt Richard Thompson von der University of Plymouth und Mitautor der Studie. Ohne dieses Wissen sei es schwierig, konkrete Maßnahmen gegen das Müllproblem zu finden – genau diese Lücke will sein Team schließen. Für die Analyse hat die internationale Forschungsgruppe mehr als 350 Studien ausgewertet. Man habe Strandmüll in 112 Ländern berücksichtigt, in denen zusammen 86 Prozent der Weltbevölkerung zuhause seien. «So konnten wir die häufigsten Bestandteile des Plastikmülls im Meer identifizieren», erzählt der Experte. 

Vor allem Plastik von Lebensmittelverpackungen

Das Ergebnis ist eindeutig: Die größten Verschmutzer der Meere sind keine seltenen Industrieabfälle oder Fischernetze, sondern vor allem kurzlebige Einwegprodukte aus dem Alltag. An erster Stelle steht Plastik aus dem Lebensmittel- und Getränkebereich. In 93 Prozent der untersuchten Länder gehören Lebensmittelverpackungen, Plastikflaschen sowie Verschlüsse und Deckel zu den drei häufigsten Müllarten. Dahinter folgen Plastiktüten mit 39 Prozent sowie Zigarettenreste mit rund 38 Prozent. 

Das Team konzentrierte sich auf größere, eindeutig identifizierbare Kunststoffgegenstände. Mikroplastik, das oft erst durch den Zerfall dieser Produkte entsteht, wurde nicht berücksichtigt. 

Ziel der Forschungsgruppe ist es, Erkenntnisse zu den Ursachen der Plastikverschmutzung zu liefern, um diese gezielter angehen zu können. Die Abfallwirtschaft allein sei nicht in der Lage das Problem zu bewältigen, so die Forschenden. 

Ähnliche Muster in vielen Ländern

Das Team fand heraus, dass sich die Hauptquellen der Verschmutzung weltweit stark ähneln – unabhängig von der wirtschaftlichen oder geografischen Lage eines Landes. Einzelne Ausnahmen gibt es dennoch: In der Arktis und Antarktis fand man vergleichsweise häufig Plastikflaschen sowie Angel- und Fischereimaterial. Das liege vermutlich daran, dass in der Region nur wenige Menschen leben und der besonders schwimmfähige Müll durch Meeresströmungen über große Entfernungen bis in die Polarregionen transportiert werde, heißt es. 

Gleichzeitig werfen die Autoren ein Schlaglicht darauf, wo politische Maßnahmen bereits Wirkung zeigen. Ein Beispiel dafür ist der Gebrauch von Plastiktüten: Besonders in vielen Regionen Asiens und Afrikas sind die dünnen Einwegbeutel stark verbreitet. Gleichzeitig zeigen die Beispiele einzelner Länder, dass politische Maßnahmen Wirkung entfalten können: Staaten wie Kenia, Tansania oder Mosambik, die strenge Verbote für Plastiktüten eingeführt haben, verzeichneten deutlich geringere Belastungen. 

Mehrwegsysteme oder Abgaben als Lösungsansätze?

Gleiches könnte in Zukunft auch für Lebensmittelverpackungen oder Flaschen gelten, so das Team. Mehrwegsysteme, bessere Verpackungsdesigns oder Abgaben auf Einwegprodukte seien mögliche Maßnahmen. «Veränderungen an der Quelle sind unerlässlich, wenn wir die Verschmutzung durch Plastik verhindern wollen», erklärt Susan Jobling, Direktorin des Instituts für Umwelt an der Brunel University of London. Nur wenn Produktion und Verbrauch bestimmter Kunststoffe sänken, lasse sich die Plastikflut langfristig eindämmen.


Bildnachweis: © Andrey Nekrasov/ZUMA Press Wire/dpa
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